1891 - 2003 Geschichte der Radfahrer-Truppe

Die Militär-Radfahrer-Truppe
kleine Velogeschichte

1769 wurde von John Vevers ein 4-rädriger Reisewagen gebaut. Der Diener im Heck trieb den Wagen mit Tretkurbeln an, gelenkt wurde das Fahrzeug sitzend vom der Herrschaft .mittels Handgriff auf das Vorderrad.


1817 baute der badische Forstmeister Karl Friedrich Freiherr Drais von Sauerbronn (1785-1851) das erste lenkbare Laufrad. Ohne Tretkurbel, das Fahrrad wurde mit den Füssen am Boden vorwärts abgestossen. Es war aus Holz, Vorder- und Hinter-Rad gleich gross. Man nannte diese Fahrzeuge, wegen des Erfinders, Draisinen.
1839
erfand der Engländer Robert W. Thomson Luftgummi-Pneus für Räder. Niemand
interessierte sich aber dafür. Erst 1888 (Dunlop) und 1890 (Gebr. Michelin)
konnten dann aus dem Luftpneus was machen.
1853 erfand Philipp Moritz Fischer das so genannte Pedal-Velociped mit einer am Vorderrad integrierten Tretkurbel. Mangels Gang-Schaltung kam man nur langsam vorwärts Daher kam der Gedanke, das Vorderrad als Antriebsrad sehr gross auszuführen, damit man mit einer Kurbelumdrehung eine relativ längere Strecke am Boden zurücklegen konnte.


1861 bauten die Franzosen Pierre und Erneste Michaux (Vater und Sohn) in ihrer Wagnerei das erste brauchbare Hochrad. Es war mit einer Tretkurbel im Vorderrad versehen. Weil eine Übersetzung noch unbekannt war, erfolgte der Antrieb über das hohe Vorderrad. Mit einer Umdrehung mit der Tretkurbel legte man eine grössere Strecke zurück als mit einem Velociped..
1867 erfindet (vermutlich) der Engländer Madison das Speichenrad. Dadurch wurde das schwerfällige Holzrad leichter.
1868/69 wurden in der Maschinenfabrik Landquart die erste Fahrräder der Schweiz serienmässig hergestellt, und zwar mit direktem Pedalantrieb auf das Vorderrad. Es dürften insgesamt etwa 50 Stück produziert worden sein. Wenige Exemplare sind noch heute vorhanden !
1869 gab es erstmals Vollgummi-Reifen bei den Fahrrädern.
1869 wurde von Andre Guilmet erstmals ein Ketten-Antrieb auf das Hinterrad eingeführt. Das Fahrrad wurde wegen der Entkoppelung von Antrieb und Lenkung leichter zu fahren und zudem gab die Sitzposition zwischen Vorder- und Hinter-Rad ein sichereres Fahrverhalten. Doch das Modell konnte sich vorerst nicht durchringen.
1875
bekamen die ersten Velos vorne nachts ihre
Öllampen
1884 wurde allmählich das Hochrad, welches instabil war und oft zu Stürzen führte, durch das von der Firma Singer & Co. entwickelte, gemässigtes Hochrad (ein so genanntes Kangaroo) abgelöst. Dieses besass Kettenantrieb auf das Vorder-Rad. Anfänglich gab es Fahrräder nur mit dem Starrlauf.
1887 erfand John Boyd Dunlop den Fahrrad-Luftreifen, den er zum Patent anmeldete.
1889
liess A.P. Morrow, USA, den Freilauf am Fahrrad patentieren. Vorerst war dieser
Freilauf bei den Radfahrern aber umstritten. Die nach 1900 eingeführte
Torpedo-Freilaufnabe von Fichtel & Sachs mit integrierter Rücktrittbremse
beruhigte dann die Gemüter der Fahrrad-Fahrer.
1890 schuf Konstrukteur Huber das Niederrad mit dem noch heute üblichen Trapezrahmen, bestehend aus zwei Dreiecken, die für Stabilität und Stossfestigkeit beim Fahren sorgten .
1893
bekam Ernst Sachs für die erste Fahrradnabe das
Kaiserliche Patent.
1895 setzte die Armee in Österreich bei Manövern die ersten tragbaren Klapp-Fahrräder ein.
1902 fertigte die Firma Wanderer in Chemnitz die erste Zweigang-Schaltung für Fahrräder an.
1903
führte Ernst Sachs in seiner Torpedo-Nabe den Rücktritt ein.

Um 1905 wurde das Radfahren dank der Karbidlampe auch nachts problemlos möglich.
1989 konstruierte der Basler Michael Kutter als erster Akku-betriebenen Electro-Bikes, so genannte Pedelecs. (Pedal Electric Cycles).
Gründung der Radfahrer-Truppen

1881 gründeten Velopioniere in Basel den Velo-Club Basel. Am 30. September 1883 formierte sich im Hotel du Pont in Brügg bei Biel der Velocipedisten-Bund. Dieser wurde dann 1885 in Schweizerischer Radfahrer-Bund umgetauft. Al
s Vereinsorgan gab man fortan "der Schweizerische Radsport" heraus.

Der damalige Chef des Eidgenössischen Generalstab-Büros, Oberst-Divisionär Alphons Pfyffer von Altishofen (1834 - 12.01.1890), war Förderer und Befürworter von ersten Radfahrer-Versuchs-Detachements..

1887 schlug der Schweizerische Radfahrer-Bund dem Eidgenössischen Militärdepartement vor, seine Mitglieder irgendwie in den militärischen Betrieb zu integrieren. Noch im gleichen Jahr (September 1887) nahmen ein Detachement von 20 Personen des Schweizerischen Radfahrer-Bundes in zivilen Kleidern (nur mit einer Armbinde gekennzeichnet) und mit ihren persönlichen Fahrrädern (Hochräder) freiwillig an militärischen Übungen in den Stäben der VI und VII Division als Meldefahrer in der Region Elgg-Wil-Frauenfeld teil. Und zwar mit befriedigendem Ergebnis, weshalb Oberstdivisionär Hermann Bleuler dem Militärdepartement meldete, der Einsatz der Radfahrer im Militär sei prüfenswert und nützlich.

1888 fand bei den Herbstmanövern der Truppenzusammenzug der IV und VIII Division im Raume Langenthal-Huttwil-Ettiswil statt. Die Meldefahrer kamen wiederum vom Schweizerischen Radfahrer-Bund und benutzten ihre privaten Nieder-Fahrräder. Der VIII Division standen 6 Radfahrer zur Verfügung. Und zwar vom Velo-Club Neumünster und vom Bicycle-Club Zürich. Die ersteren kleideten sich im Zeughaus Zürich ein, die anderen benutzten ihr schmuckes Club-Kostüm mit Tropenhelm. - Der IV Division standen 12 Radfahrer aus Basel zur Verfügung. Sie kamen mit ihren privaten Rädern vom Velo-Club, dem Bicyclle-Club sowie dem Cyclist`s Club.
Auf Grund des erfolgreichen Manöver-Einsatzes der Velofahrer als militärische Meldefahrer veranlasst das eidgenössische Stabsbüro (Oberst-Divisionär Pfyffer) am 30.1.1889 einen Antrag an den Bund zur Beschaffung von 6 geeigneten Velos für den militärischen Einsatz. Und zwar von der Marke "Frankenburger und Ottenstein" der Velocyped-Fabrik Nürnberg. Dieser wurde umgehend von Bundesrat Walter Hauser, Chef eidg. Militär-Departement, genehmigt.
Im Jahre 1889 wurden die Versuche mit freiwilligen Velo-Fahrer als militärische Melde-Fahrer in Manövern der III. und V. Division weitergeführt.
1890 wurden bei den Manövern des 1. Armeecorps den Einheiten entnommene Freiwillige (Soldaten) als Radfahrer verwendet. Jeder Radfahrer hatte somit eine militärische Grundausbildung in einer Rekruten schule erhalten.
Die neue Truppengattung stiess teils auf Skepsis. (so etwa bei der etwas abgehobenen Kavallerie). Im Geschäftsbericht des Eidgenössischen Militärdepartements stand 1895 folgende Bemerkung: "Die Radfahrer zeigten sich zum Teil als zu wenig "discipliniert" und in der Ausübung ihres Dienstes nicht zuverlässig genug." Und weiter: "Dank der Schnelligkeit ihres Stahlrosses waren unsere Radfahrer meist sehr rasch den Blicken ihrer Obersten entschwunden und hatten sich in den Wirtshäusern eingenistet, aus denen sie nicht so leicht wieder herauszubringen waren" ! Doch allmählich verstummte der letzte Kritiker und die Radfahrer wurden als gleichwertige und anerkannte Militär-Personen von allen Waffen-Gattungen anerkannt.


Auf den rechten Bildern sind zwei solcher Privatvelos zu sehen, welche die Melde-Radfahrer im Dienst-Einsatz bei der VIII. Division anfänglich benutzten, nämlich ein französisches Fahrrad und ein deutsches 2-Gang Kardan-Velo der Marke Dürkopp
Am 11. Januar 1903 wurde der Verband Schweizerischer Militärradfahrer in Zürich gegründet
Bundesgesetz von 1891
Am 15. Februar 1891 gelangte das Generalstabs-Büro mit dem ausgearbeiteten Entwurf betreffend die Verwendung von Velocipedisten in der Schweizer Armee an das Militärdepartement. Und am 1. Dezember 1891 nahm der Chef des eidgenössischen Stabsbüros. Oberst Arnold Keller, zu diversen Artikeln und Tragweiten des Entwurfes Stellung gegenüber dem Militärdepartement zu Handen der nationalrätlichen Kommission. - Am 18. Dezember 1891 beschloss der Ständerat und am 19. Dezember 1891 der Nationalrat das Bundesgesetz betreffend die Einrichtung von Radfahrerabteilungen. Nach Ablauf der Referendumsfrist gab das eidgenössische Militärdepartement sofort den Kantonen das Anforderungsprofil für die Aushebung der Radfahrer-Rekruten bekannt. Die Bewerber mussten eine Mindestgrösse von 153cm haben, eine halbe Sehschärfe besitzen und Übung im Radfahren sowie eine Marschfähigkeit aufweisen, zudem
1. eine zweirädrige Fahrmaschine mit niedrigem Sitz (Bicyclette) besitzen.
2. das Fahren auf Distanz mit Ausdauer beherrschen.
3. eine Rekrutenschule bei der Infanterie oder einer anderen Truppengattung bestanden haben.
4. körperliche Fähigkeit zum Radfahrerdienst nachweisen können, wobei nach Art. 4 des Bundesgesetzes von 1891 auch solche Leute berücksichtigt werden können, die aus irgend einem Grunde dienst- untauglich waren.
5. Sekundarschulbildung besitzen (!).
Die Kantone hatten bis zu 10. April 1892 ihre Anmeldelisten dem Generalstabs-Büro zuzustellen.
Rekruten-Schulen
Am 23, Juni 1892 erliess Oberstleutnant i.Gst. Eduard Leopold als designierter Kommandant der ersten Radfahrer-Rekrutenschule in Bern den Dienstbefehl an die Teilnehmer: "für die Radfahrer-Rekruten gelten die Bestimmungen des Berner Strassenpolizei-Gesetzes vom 21. März 1834 sowie das Dekret vom 1. und 2. März 1858 betreffend die Strafbestimmungen über Widerhandlungen gegen Verordnungen, Reglemente und Beschlüsse des Berner Regierungs-Rates".
Kaserne Bern


Am 31.8.1892 begann der erste drei-wöchige Radfahrer-Kurs in Bern. Er dauerte bis 20.9.1892 und hatte 215 Teilnehmer (aus 21 Kantonen), die alle ihre privaten Fahrräder mitnehmen mussten. Alle diese Männer hatten zuvor sieben Wochen Grundausbildung bei der Infanterie, Kavallerie, oder Sanität absolviert. - Sechs Teilnehmer brachen den Kurs vorzeitig ab.
Den Kurs leitete Oberst i.Gst. Eduard Leopold mit 6 weiteren Generalstabsoffizieren und 6 Truppenoffizieren. Es gab 2 französisch sprechende und 4 deutsch sprechende Sektionen.
Ziel der Ausbildung war der militärische Einsatz im Verbindungs- und Übermittlungs-Dienst.
E gab Anforderungen an den zukünftigen Rekruten. Er hatte das Fahrrad so zu beherrschen, dass er einhändig fahren und auf Kommando links auf- und absteigen konnte. Zudem musste das mitgebrachte private Fahrrad mit einem Werkzeugtäschchen (mit Ölkanne, Schraubenzieher oder Soldatenmesser und englischem Schlüsse) versehen sein. Eine Signalvorrichtung am Velo war vorgeschrieben, wobei ein Signalhorn gegen über der Glocke vorzuziehen sei. Auch war eine Laterne mitzubringen. Hingegen wurden Gepäckträger, Laternenhalter und Pedalen-Stütze abgegeben. Schlussendlich hatte der Einrückende auch ein Dienst-Notizbuch mit zu bringen. Weil der Einrückende zuvor schon in einer anderen Truppengattung Dienst trat, musste er ohne Gewehr und Munition aber mit dem Seitengewehr (Säbelbajonett) in die Rekrutenschule einrücken. Besass er noch ein Käppi nach alter Ordonanz, musste er dieses auf dem kant. Waffenplatz gegen ein solches mit zweiteiligem Schirm eintauschen. Der Rekrut trug die Infanterie-Kleidung mit einer besonders zweckmässigen Uniform und hatte eine Pistole als Waffe.
Als Kuriosität noch die Hinweise, dass in der Kaserne eine Reparatur-Werkstätte durch die Firma Burger & Heimlicher, Bern, geführt wurde und dass der Radfahrer-Kurs insgesamt (inkl. Instruktion und Kasernement, usw.) ganz genau Fr. 35 752.66 kostete.
Weitere 22-tägige Radfahrer-Kurse gab es dann 1896 in Basel, 1899 in Bern, 1902 in Bern, 1905 in Yverdon und auch 1907 in Yverdon. - Alle Radfahrer-Kurse von 1892 - 1907 fanden unter der Leitung der Generalstabs-Abteilung statt.
Anschliessend an den Radfahrer-Kurs rückten die ausgebildeten Radfahrer-Soldaten in die Wiederholungskurse ein und bildeten jeweils kleinen Detachements von maximal 15 Wehrmännern (anfänglich mit ihren eigenen Velos). Ihren Einsatz hatten diese Dienstpflichtigen meistens als Meldefahrer im Verbindungs- und Übermittlungsdienst.
Kaserne in Liestal Kaserne in Yverdon


1908 wurden die Radfahrer der Infanterie zugewiesen. Man führte darauf hin innerhalb einer normalen Infanterie-Rekrutenschulen 67-tägige Radfahrer-Rekrutenschulen durch.. Dies geschah erstmals 1908 in Liestal, dann 1909 in Zürich und 1910 in Genf/Lausanne.
Die erste selbständige Radfahrer-Rekrutenschule fand im Jahren 1911 in Liestal in der dortigen Kaserne statt.
1912 - 1916 Aufteilung der Radfahrer-Rekrutenschule Divisionsweise auf die diversen Infanterie-Rekrutenschulen, nämlich 1912 in Liestal, Thun, Herisau, 1913 in Genf, Luzern, St. Gallen und 1914 in Bern, Zürich, Lausanne.
Es folgten dann Rekrutenschulen 1917 in Liestal, 1918 in Yverdon, 1920 in Yverdon, 1921 in Winterthur, 1922 in Chur, 1923 in ?, 1924 in Frauenfeld, 1925 in Yverdon, und in St. Gallen.
Kaserne St. Gallen
Kaserne in Chur
Rekrutenschule 1922 in Chur
Rekruten-Schulen 1913 und 1925 in St. Gallen.
K
aserne
Winterthur
Von 1926 - 1971 waren dann die Radfahrer-Rekrutenschulen in Winterthur in der dortigen Kaserne untergebracht.

Kaserne
Drognens
1972 bis 2001 wurden die Radfahrer-Rekrutenschulen auf dem Waffenplatz Drognens bei Romont/FR (letzter Ort der Rekrutenschule der Radfahrertruppen) durchgeführt. .
Letzter Kommandant der Rdf.RS war Oberst i.Gst. Erwin Fasnacht
Militär-Radfahrer
Uniformen





damals
Uniformen nach dem "Tenue Grün"


<<= neue Uniformen
Bewaffnung der Radfahrer

Ab
Einführung der Radfahrer-Einheiten 1892, bekamen die Radfahrer als Waffe einen
Revolver Modell 1882 der ab 1893 mit einem grossen Ring (Radfahrer-Revolver)
versehen wurde.
Zwei "ganz böse" Militär-Radfahrer mit gezogenen Pistolen


1898 bekamen die Radfahrer den Kavalleriekarabiner 1893 (Langgewehr genannt "Mannlicher", weil der Verschluss das System Mannlicher hatte)

Im Jahre 1914 erhielten die Radfahrer-Truppen den Karabiner 1911 da die Zusammensetzung des Verschlusses des Typs Mannlicher nach der Reinigung für den Soldaten zu kompliziert war.

Ab 1937 wurden die Radfahrer-Truppen dann mit dem Karabiner 31 (System Schmidt-Rubin mit einem Geradzugverschluss und Kastenmagazin für sechs Patronen)) ausgerüstet.

Bei
der Einführung des Kampfanzuges im Jahre 1964 erhielten die Radfahrer das
Sturmgewehr 57 und mit der Abgabe des Tarnanzuges 1993 das Sturmgewehr 90.

1891 wurden die ersten Radfahrer-Truppen mit dem Dolch-Bajonett 1889 ausgestattet. Und zwar ohne Nut zum Aufstecken auf eine Waffe, die die Radfahrer ja mit einer Pistole bewaffnet waren. .

Später trug jeder Radfahrer-Soldat ein Faschinenmesser, das eine 48cm lange und 3cm breite Klinge, welche sägeartig 26 Querrillen aufwies und einen 12cm grossen Griff hatte, Das ganze steckte in einem ledernen Etui (mit Gurteinzug) und einer angehängten 50cm langer Metallscheide.

1964 erhielten schlussendlich die Radfahrer zusammen mit dem Sturmgewehr 57 das Bajonett M 57 (Marke SIG), das 37,5cm lang war und eine 24cm lange Scheide in einer Kunststoffschale besass.
Ordonnanz- und Militär-Velos
Vorläufer des Militärvelos
Radfahrer, die mit ihren privaten Velo einrückten, mussten am Velo Signalhorn oder Glocke montiert haben und eine Werkzeugtasche mit Ölkanne mitführe. Ferner einen Schraubenzieher oder ein Soldatenmesser sowie einen englischen Schlüssel.. Andererseits bekamen sie für de Dienstzeit eine Laterne mit Laternen-Halter, einen Gepäckträger und eine Pedalen-Stütze sowie ab 1886 für die Räder der Unteroffizieren und Soldaten eine Rahmentasche.

1887
(noch vor der ersten Radfahrer-Rekrutenschule 1892)
setzte die Armee erstmals kleine Versuchs-Detachemente von Radfahrern ein, für
die man 1889 bei der Firma Frankenburger & Ottenstein, Nürnberg, sechs Fahrräder
anschaffte. Dies war die erste kleine Serie gleicher Prolog-Fahrräder der
Armee.
Im Jahr 1894 liess die Armee fünf Militärvelos (so genannte Normal-Fahrräder mit Pneumatik-Bereifung) bei der Velofabrik Gustav Adolf Saurer in Arbon bauen Geplant war eine Produktion von jährlich 20 Stück, die bei einem Einstandspreis von Fr. 400 für Fr. 300 an die Radfahrer abgegeben wurden. Doch die Nachfrage hielt sich in Grenze. Deshalb stellte die Firma Saurer 1896 die Normal-Fahrrad-Produktion ein. Auch ausländische Velos und italienische Klapp-Velos (Versuche 1902-1903) wurden gekauft, evaluiert und probeweise den Radfahrern abgegeben. Nebst diesen Velos wurden aber auch weiterhin die privaten Velos der Radfahrer in den Dienst mitgebraucht.
1896 - 1904 standen in der so genannten Übergangszeit unterschiedlichste Fahrrad-Marken und -Konstruktionen im militärischen Gebrauch Im Einsatz wurden die Velos teils stark beanspruch. Es gab immer wieder Pannen und Reparaturen, bei denen das geeignete Werkzeug und Material fehlten. Dies führte zu Störungen im Dienstbetrieb. Andererseits kamen allmählich Luftreifen und der Freilauf zum Einsatz. Die damit gemachten guten und schlechten Erfahrungen nutzte die technische Abteilung der Kriegsmaterialverwaltung zur Entwicklung eines für die Arme tauglichen Fahrrades.
1904 wurde von der technischen Abteilung der Kriegsmaterial-Verwaltung ein Anforderungs-Profil an mehrere Fahrradfabriken in der Schweiz abgegeben. Der Zweck war die Herstellung des so genannten Ordonnanz-Rades.
Militärvelo MO 05


Auf Grund der 1903 veranlassten Versuchen mit den Normalfahrrädern und den geprüften ausländischen Fahrrädern in Kursen und Schulen durch das Militär-Departement konnte der technischen Abteilung der Kriegsmaterialverwaltung 1904 die Anforderung zur Herstellung eines Modells gegeben werden. Den Auftrag zur Erstellung desselben erhielt die Fahrradfabrik Schild & Cie., Madretsch-Biel. Im Sommer 1904 lag der Prototyp vor. Anfangs September gab die technische Abteilung der Kriegsmaterialverwaltung noch Abänderungs-Wünsche bekannt und bat um Preisofferte und den Zeitpunkt für den Liefer-Termin. Etwas später, als alles bereinigt war, erfolgte der Auftrag für vorerst 10 Fahrräder (ohne Pneumatiks, Laterne und Signalvorrichtung) an die Firma Schild & Cie. Bald bekamen nebst Cosmos auch Condor und Helvetia ihre festen Produktions-Aufträge zugeteilt.
Im
Juli 1905
wurden die ersten 300 Ordonanz-Fahrräder dem
Militär ausgeliefert, nämlich
COSMOS Fahrrad-Nr.1-150,
HELVETIA Fahrrad-Nr.
151-225, und CONDOR Fahrrad-Nr. 226-300. Am
17. Juli 1905 erhielten die in Yverdon einrückenden Rekruten erstmals solche
Ordonnanz-Fahrräder (in schwarzer Farbe)
ausgehändigt. Sie konnten dabei die Velo-Marke auslesen,
und zwar entschieden sie sich für 144 Cosmos-, 59 Condor- und 18 Helvetia-Räder.
Die Firma Gustav
Adolf Saurer & Co, Arbon, (Helvetia-Räder) bekam 1904 vom Militär einen Fahrrad-Lieferauftrag
welchen sie 1905 (75 Stck.) und 1907 (50 Stck.) erfüllte. Der Gang dieser Velos wurde aber
als zu schwer beurteilt und von Militärstelle bemängelt. Weil der Mangel nicht
behoben wurde, bekam die Firma Saurer
ab 1907 keinen Lieferauftrag mehr, dafür die Firma Schwalbe AG (Gebr. Rüegg),
Uster. Diese lieferte 1907 (40 Stck.) und 1908 (60 Stck.) die Ordonnanz-Räder
vorerst unter dem Namen Rüegg und ab 1909 dann unter dem Namen Schwalbe
ab.
Ab 1905 bauten, abgesehen von der Firma G.A. Saurer & Co, Arbon, (Helvetia-Räder), die nur 1905 und 1907 fürs Militär total 125 Velos lieferten, folgende Firmen die Ordonnanz-Velos für die Schweizer Armee (das Modell MO 05), nämlich die jurassische Firma Condor SA, Courvaifre von 1905-1988, die Firmen Schwalbe AG (Gebr. Rüegg) Riedikon/Uster von 1907-1951 und die Firma Cosmos (B. Schild & Cie. AG), Biel. von 1905-1979. Zusätzlich nahm auch noch die Firma Zesar AG, Nidau von 1945-1965, sowie die Maschinen-Fabrik Gränichen AG, Gränichen, von 1952-1959 an der Fahrrad-Produktion teil. Ab 1979 hatte nur noch die Firma Condor SA allein Militärvelo 05 hergestellt haben.
Die Firmen Zesar AG und Maschinenfabrik Gränichen AG produzierten insgesamt nur eine kleinere Anzahl Fahrräder für die Armee. Es muss angenommen werden, dass sie lediglich Velos des Typs "Armee" und keine Ordonnanz-Räder herstellten
Von 1905-1988 wurden von den sechs oben erwähnten Fahrrad-Fabriken insgesamt 68614 Velos für die Schweizer Armee produziert
Alle Velos waren schwarz emailliert und mit Wulstreifen, Leerlauf, einer Vorderradpneubremse sowie einer Torpedo-Rücktrittbremse versehen, aber anfänglich ohne Licht und Glocke (letzteres war nur Corps-Material). Zudem mit der Rahmentasche (diese wurden erst ab 1928 an die Offiziersvelo montiert) und einer Werkzeugtasche samt Werkzeug. Technische Daten: Gewicht 22,5kg, Länge 1820mm, Breite 565mm, Höhe1020mm, Radstand 1140mm, Rahmenhöhe 580mm, Rahmenrohrdurchmesser 29mm, Reifen 26 Zoll, Hinterradantrieb über die Kette auf die Torpedo-Freilaufnabe der Firma F. & S, Schweinfurt. Eine Kettenradumdrehung (Übersetzung) ergab eine zurückgelegte Distanz von 5,7m.
Die Fahrrad-Fabrikanten lieferten ihre Velos serienweise gemäss Abruf an die KTA (Kriegs-Technische-Abteilung) in Bern, und zwar inklusive zugeteilter Nummerierung direkt am Fahrrad eingestanzt.
Die ersten Lieferungen waren
1905 Rahmennummern 1 - 150 Cosmos am 19.07.05
151 - 225 Helvetia im Juli 1905
226 - 300 Condor am 19.07.05
1907 Rahmennummern 301 - 303 Cosmos am 18.02.07
1906 Rahmennummern 304 - 420 Cosmos am 11.06.06
1906 Rahmennummern 421 - 500 Condor am 25.06.06
1907 Rahmennummern 501 - 550 Helvetia am 14.01.07
Das Eidgenössische Zeughaus in Bern (Sektion Beschaffung) wies jeweils den einzelnen Zeughäusern (z.B. Kriens/LU, Rapperswil/SG, Seewen/SZ, Amsteg/UR, usw.) die notwendigen Fahrrad-Kontingente zu..
Und hier eine Abbildung des Saurer-Ordonnanzrades aus dem Fahrrad-Katalog 1914 der Velo-Fabrik G.A. Saurer & Co, Arbon, Dieses wurde bekanntlich 1905 und 1907 in einer Gesamtauflage von 225 Stück unter dem Namen Helvetia für die Armee hergestellt. Bis anhin waren leider weder eine Foto des Rades noch eine solche des Kettenrades aufgefunden worden. Und die noch in wenigen Exemplaren existierenden Original-Saurerfahrräder sind keine Ordonnanzfahrräder !

Korpsmaterial am Ordonnanzrad
Bis zum Jahre 1938 waren Pneumatic (Reifen und Schlauch), Laterne und Signalvorrichtung (Glocke) Korpsmaterial. Dieses wurden jeweils bei Diensteintritt abgegeben und mussten bei Dienstaustritt wieder zurückgegeben werden. Erst ab 1939 konnte der Wehrmann diese Sachen erwerben.
Seit 1905 verwendete man für die Militärvelos als Pneumatic die so genannte Wulstbereifung (Reifen mit Fahrrad-Schlauch, 26 Zoll, Grösse 26 x 1- 1/2) und behielt diese bis zur Einstellung der Ordonnanzfahrrad-Produktion 1988. Anfänglich wurde 350 Pneumatics bei der Firma P. Buchet, Genf, Generalvertretung der Pneumatiks-Fabrik Michelin & Cie.Clermont-Ferrand, sowie 300 Pneumatics bei der Hannoverschen Gummi-Kamm-Compagnie in Hannover bestellt. Da die Qualität der Letzteren nicht befriedigten, vergab man die nächste Lieferung P. Buchet (150 Garnituren) und eine Bestellung ging an H. Maag, Zürich, (50 Garnituren) Generalvertreter für die Schweiz für Metzeler-Pneumatiks, München.
Auf Grund der Gummi-Qualität nach 1905 wurde vom Militär beschlossen, bei den montierten Pneumatics alle 3 Jahre die Schläuche und alle 4 Jahre die Pneus zu ersetzen. Dies führte zu einem ziemlich grossen Bedarf an Pneumatics und zwar einerseits wegen den jährlich neu abgegebenen Fahrrädern (Rekrutenschule, usw.) und den Pneumatics-Erneuerungen. Und andererseits wegen den Garnituren, welche den Soldaten (pro Jahr ca. 200 Pneumatics) zur Bereifung ihrer Militär-Fahrräder zum privaten Gebrauch verkauft wurden. Insgesamt wurden jährlich um 550 - 850 Garnituren benötigt..
Ab
1936 lieferte die Schweizerischen Velo-Pneufabrik Gelterki
nden (Maloja)
Fahrrad-Bereifungen (samt Schläuchen). Anfänglich nannte sie diese Velo-Pneus
""Montagne" und ab ca. 1975 "Pilot". Später als die Reifen auch exportiert
wurden, gab man ihnen den Namen Maloya. (Diese Maloya-Garnituren wurden
bis zum Zeitpunkt der Auflösung der Fahrrad-Truppen 2003 geliefert). Auch die Firma Adolf Daetwyler AG, Altdorf,
produzierte Pneus
und Reifen und zwar unter der Marke "Bull Cord". Zudem gab es auch noch Pneumatics von der
Firma R.& E. Huber, (Pallas), Pfäffikon/SZ, die mit dem Namen "Zeughaus Bern"
gekennzeichnet waren.
Während des zweiten Weltkrieges herrschte in der Schweiz Mangel an Gummi und Pneus, weshalb der Generalstabs-Chef am 31.8.1942 der Radfahrer-Rekrutenschule Winterthur den Auftrag erteilte, einen Versuch mit Vollgummi-Reifen an den Ordonnanzrädern durchzuführen. Die Reifen erwiesen sich aber als nicht geeignet, weshalb der Versuch bald einmal abgebrochen wurde.
Bei den Schläuchen kamen meistens Dunlop-Ventile (teils auch Modelle von anderer Fabrikanten) zum Einbau..
Als Laterne verwendete man über längere Zeit eine Karbid-Lampe der Usine Decker SA, Neuchatel. Diese war anfänglich aus Messing, unbehandelt. Später wurde sie mit einer schwarzen Farbe versehen. Die Karbid-Lampe dürfte in den 30er Jahren aus dem Verkehr gezogen worden sein. Aber erst um 1950 bekamen die Armeefahrräder und 1986 die Ordonnanz-Fahrräder elektrische Lampen.
Was die Signalvorrichtung betrifft, so ist hier noch nicht alles geklärt. Insbesondere Form und Lieferant der Glocken in den ersten Jahren (ab 1905) sind unklar.
Velo-Kostenanteil des Wehrpflichtigen

Vor 1900 hatten bekanntlich die Radfahrer ihre eigenen Fahrräder in den Militärdienst mitzunehmen. Als finanzielle Abgeltung erhielten sie pro Diensttag eine Tagesvergütung.
Als die Armee die Fahrräder zur Verfügung stellte, musste der Wehrpflichtige im Auszug 50% des Anschaffungspreises bezahlen und pro Diensttag bekam er eine Tagsvergütung, und zwar bis maximal 50% des Velowertes, den anfänglich der Soldat übernahm.. Schlussendlich erhielt so der Wehrpflichtige mit den Tagesvergütungen im Verlaufe der Jahre die vollen Gesamtkosten des Velos vergütet..- Anschaffungswert des Velos war 150 - 300 Franken, davon war der 50%-Anteil vom Radfahrer zu bezahlen. Pro Diensttag erhielt er .50 Rappen Tagesvergütung. Landwehr-Soldaten hatten den vollen Anschaffungswert zu bezahlen..

die zwei Militärvelo-Arten
Es gab Ordonnanzräder. Sie
waren Rekruten- oder Mannschafts-Räder (diese gehörten jeweils als persönliche
Räder den Radfahrern, samt dazugehörendem Nummernschild (mit der Rahmennummer)
und einem Radbüchlein und der eingetragenen Fabrikations-Nummer). Anfänglich
hatten diese Räder eine Karbidlampe, lange Zeit dann gar kein Licht erst ab 1986 ein elektrisches
Licht.
Und andererseits gab es ab ca. 1941 Armeefahrräder, ausgerüstet mit Gepäckträger bis zu 80kg belastbar, Schloss mit Schlüssel und einem feldgrauen Nummernschild (so genanntes Zeughaus-Schild). Zudem eine Beleuchtung ab den 50er Jahren. Solche Räder waren im Einsatz als Korpsmaterial, Instruktionsmaterial, bei der Militärverwaltung und bei den Festungswachtformationen.
"Militärräder" für Private
Es gab verschiene Velo-Hersteller, auch solche, die offizielle Ordonnanzräder und Armeefahrräder fabrizierten und dem Bund verkauften, welche diese Militär-Velos auch über Velohändler der Privatkundschaft verkauften. Und zwar unter ihrem Firmennamen, wie "Allegro", "Oltenia", "Moor", "Tigra", aber auch "Condor", usw. Dabei stellten diese Hersteller das Velo so her, dass man es vom offiziellen Ordonnanzrad oder Armeerad unterscheiden konnte:
Ordonnanzräder:
Sattel, Werkzeugtasche, Licht und Pumpe waren meistens von der Form her und
qualitativ etwas anders als das Original. Die Prägung der Jahrzahl am Rahmen
fehlte teilweise und die Rahmennummer war wohl individuell, konnte auch
6-stellig sein, Die Rahmennummer entsprach aber nicht dem Nummern-Kontingent,
das den Herstellern von der Militärverwaltung zugewiesenen wurde.

Fahrrad Typ Militärräder: oft sind die Rahmenrohre dünner als 1 1/4 ". Das vordere Schutzblech ragt, im Gegensatz zum offiziellen Militärrad, über die Gabel hinaus. Und meist ist ein Kettenschutz montiert. Das geometrische Ornament der Kettenräder unterscheidet sich klar von denjenigen der offiziellen Ordonnanzrädern.
Diese Fahr-Räder wurden von den vielen Herstellern in den Prospekten meistens als "leichtes Militärrad", als "Allwetter-Geschäftsrad" oder als "Strapazierrad". bezeichnet und angeboten. Sie trugen auch fast immer vorne an der Lenksäule eine metallene Platte mit dem Fabriknamen.
Ordonnanz-Fahrrad-Büchlein


Der Radfahrer-Soldat bekam in der Rekruten-Schule sein persönliches Fahrrad, dass er im Dienst und auch privat zu Hause benutzen konnten. Er musste zu allen militärischen Kursen somit immer mit seinem persönlichen Ordonnanz-Fahrrad einrücken.
Zu jedem Militärrad wurde ein Ordonnanzbüchlein abgegeben, enthaltend die genaue Auskunft über den Radfahrersoldaten und dessen Dienstzeit. Zudem eine detaillierte Bedienungsanleitung sowie eine zweisprachige Reparaturbeschreibung in deutsch und französisch.
Der Dienstpflichtige war für den Zustand des Fahrrades beim Einrücken verantwortlich, musste für notwendige Reparaturen aufkommen und konnte bei schlechtem Zustand des Fahrrades belangt oder sogar abgeurteilt werden (Zugrunde gehen lassen oder Verschleuderung von Armee-Material)
Ersatzteil-Katalog
Ein offizieller Ersatzteil-Katalog beschrieb auf 23 Seiten peinlich genau die Einzelteile und die Anordnung zur Zusammensetzung des Ordonanzrades bis in die kleinsten Details, sodass Reparatur oder Ersatz eines defekten Teils kein Problem darstellte. .
Packung/Vorschriften 1965



Die Packung am Militärrad bestand aus der Rahmentaschen, der Mantelhülle, dem Brotsack sowie Waffen- und Zubehör-Träger. In der Mantelhülle wurde der Mantel und unter dem Deckel das Zelt mit den Zeltpflöcken versorgt. Im Brotsack befanden sich Gamelle, Feldflasche, Essbesteck, Notportion und evtl. Zwischenverpflegung.
In der Rahmentasche waren Hemd, Socken, Unterwäsche, Schuhnestel, Taschentuch, Taschenlampe, Leuchtgamaschen und Feldmütze versorgt. Evtl. bei Bedarf auch zusätzlich Pullover und zusätzlich Wäsche. Aber aufgepasst, der Deckel der Rahmentasche musste gerade schliessen, ohne Wölbung.
Bei Talfahrten (dann grössere Abstände zwischen den einzelnen Fahrern) war der Helm zu tragen, auch auf verkehrsreichen Strassen und in grösseren Orten

Als das Ordonnanzrad noch keine Beleuchtung hatte (bis 1986) musste nachts der vorderste Fahrer einer Gruppe eine Taschenlampe mit weissem Licht am Körper tragen, der hinterste Fahrer eine Taschenlampe mit rotem Licht am Rücken befestigt. Vorderster und hinterster Fahrer hatten zusätzlich noch Leuchtgamaschen anzuziehen.
Fahrrad-Unterhalt

Je nach Wetterlage
und Beanspruchung musste am Fahrrad ein täglicher oder ein wöchentlicher
Parkdienst vorgenommen werden. Konnte der Wehrmann diesen Parkdienst nicht
allein machen, durfte er einen Kameraden beiziehen. Fielen aber grössere
Reparaturen an, so stand dafür in jeder Kaserne eine professionelle Werkstatt
mit speziellen Fahrradmechanikern zur Verfügung. Und unterwegs fuhr mit dem
Tross eine mobile Werkstatt (auf einem Lastwagen) mit. Zudem führte man innerhalb der Züge auch
Ersatzräder (so genannte Strap-Räder) mit, sollte es zu gravierenden
Fahrrad-Ausfällen kommen.

Es gab ab 1941 in den Zeughäusern von Bulle, Kriens/LU und Rapperswil/SG Reparatur-Center für Armee-Fahrräder. Dort wurden grössere Reparaturen und Service-Arbeiten durchgeführt, welche von dem Fahrrad-Mechanikern der Truppen nicht ausgeführt werden konnten. Gleichzeitig waren sie Armeefahrrad-Depots, sie gaben den Truppen leihweise die Fahrräder ab.
Fahrradmechaniker gab es überdies seit Bestehen der Fahrradtruppen. Zuletzt waren einer Velo-Kompanie (156 Wehrmänner) ein Radfahrer-Unteroffizier und 2 Mechaniker (Soldaten) zugeteilt
Überdies, ein Ersatzteil-Katalog des Ordonanzrades war ein richtiges Buch und umfasste 9 Baugruppen mit 38 Bildseiten sowie 684 Artikel-Bezeichnungen
Modifikationen



Was für eine Beleuchtung man in den Jahren 1905 und 1906 an den Ordonnanz-Velos verwendete, ist unbekannt. Es könnten Karbid-Lampen der Firma Otto Scharlach, Nürnberg, gewesen sein. Diese Firma lieferte damals eventuell auch die ersten Velo-Glocken.
Ab 1907 montierte man als Korpsmaterial an den Ordonnanz-Velos vorne am Velorahmen, oberhalb des Vorderrades, eine von der Firma Decker SA in Neuchatel fabrizierte Karbidlampe als Beleuchtung. Anfänglich war diese Karbidlampe aus sichtbarem Messing. Einige Jahre später dann mit dem schwarzen Anstrich versehen. Anfangs 30er Jahren setzte man die Karbidlampe ausser Betrieb, die Fahrräder waren nun längere Zeit ohne Licht.

Ab ca. 1950 erhielten die Armeefahrräder (Korpsmaterial, Instruktionsfahrräder, Fahrräder der Militärverwaltung und der Festungswachtformationen) eine elektrische Fahrrad-Lampe (mit glattem Lampenglas, vernickeltem Lampenring und schwarzem Lampen-Gehäuse). Und zwar mit einem langen verchromtem Dynamo der Marken Siluma (Siluma AB, Biel) oder Phoebus (Firma E. Baumgartner, Biel/Elextra SA, Biel/OKE Phoebus AG, Gansingen/AG).
Vor 1986 war die Fahrradtruppe (mit Ordonnanz-Rad) nachts ohne elektrischem Licht unterwegs,. der Vorderste einer Radfahrer-Kolonne trug eine Taschenlampe mit weissem Licht, der Hinterste eine solche mit rotem Licht. Erst ab1986 versah man dann auch das Ordonnanzrad der Fahrradtruppen und der Fahrrad-Rekrutenschulen mit elektrischem Licht, und zwar vorne an der Radgabel mit einem voll verchromten, niedrigen Dynamo mit Fahrrad-Lampe mit geripptem Glas (der Firmen Phoebus bzw. Siluma) und auf dem hinteren Schutzblech mit einem elektrischen Rücklicht der Marken Injekta oder Rex (der Firma Injekta AG, Teufenthal oder AluRex AG, Eschlikon/TG). Im Dynamo waren zwei Spulen, eine für die Lampe vorne, einer für das Rücklicht. So wurde die Leuchtkraft der Lampen erhöht.


1932 wurde das Militärvelo mit einem runden roten Rücklicht versehen, einem Adax-Katzenauge (Firma ADAX SA, Bevaix/NE). Und 1943 wurde das schwarze Schutzblech hinten teils weiss angestrichen. Ab 1955 montierte man ein weisses Katzenauge. Erst 1986 wurde das Velo mit einem elektrischen Rück-Licht (Lichtquelle Dynamo, kombiniert mir Vorderrad-Lampe) der Marken Injekta oder Rex versehen.

Ab 1962, als die neuen und kleineren Velonummern-Schilder des Militärs ausgegeben wurden, erhielten die Militärfahrräder hinten auf dem Schutzblech einen Nummernschild-Rahmen der Marke Injekta oder Rex, in dem der rote Rückstrahler integriert war. Und zwar vorerst ohne Beleuchtung. Erst 1986 wurde der Rückstrahler elektrifiziert.


Anfänglich hatte das Militärvelo nur vorne eine Stempelbremse und auf dem Hinterrad eine Rücktrittbremse. Ab 1944 wurde dann im Hinterrad nebst dem Rücktritt auch eine Trommelbremse angebracht. Man nannte diese Böni-Bremse nach dem Hersteller Albin Böni (heute Böni AG, Feldbach).


1898 bekame
n die
Fahrradtruppen erstmals Rahmentaschen (mit auf der rechten Seite aufgenähter
kleinen Kartentasche). Die Rahmentasche Modell 1905 (Bild links), in
wasserdichtem Segeltuch, wurde unverändert bis 1932 hergestellt.. Bis dahin
waren alle Kartentaschen links-öffnend, ab 1932 dann rechts-öffnend. Letzteres
machte Sinn, weil 1932 die Weisung erteilt wurde, das Fahrrad nach rechts auf
den Boden zu legen. - Es gab im Laufe der Zeit verschiedene
Modelle von Rahmentaschen .in den Farben ocker, grün, grau und schwarz. Ab 1955
waren die Rahmentaschen aus grauem Leder gefertigt. Die Rahmentaschen musste der
Radfahrer überdies bei Austritt aus der Armee zurückgeben, das Fahrrad durfte er
behalten..
Bei den Rahmentaschen gab es verschiedene Nummernserien, die aber in keinem Einklang zur Rahmen-Nummer des Militär-Velos standen. Auch waren an der Fertigung der Taschen verschiedenste Hersteller beteiligt, z.B. die Sattlereien O. Fasel, Flamatt, E. Lüginbühl, Islikon, D. Baumann, Villigen sowie weitere Sattlereien wie Rufener, Bühlmann, Müller, Munz, Steiner, usw..


Die lederne Werkzeugtasche (für das Werkzeug zum Unterhalt und zur Reparatur des Militär-Velos inkl. Ölkännchen) war bis 1931 links öffnend, nachher hatte sie auf der rechten Seite die Öffnung.
Verschiedenste Lieferanten, z.B. L.S. Thevoz, Fribourg oder Sattlerei Boschung, Plaffeien/FR, hatten ihren Firmenstempel auf der Innenseite der Tasche ins Leder eingepresst. Zudem wurden früher während einer kürzeren Zeit auch die Rahmennummer des Ordonnanzrades eingestempelt. .


Das Werkzeug für Unterhalt und Reparatur des Velos war umfangreich. Anfänglich bestand der Schraubenzieher aus einem dicken Stück Draht, oben zu einer länglichen Schlaufe geformt. Später hatte der Schraubenzieher einen Holzgriff und zum Schluss noch einen Griff aus rotem Kunststoff.
Das Ölkännchen war aus Messing mit einem langen Ausguss, am Ende mit einer aufschraubbaren Kappe. Später wurden auch kleine Ölkännchen aus Plastik verwendet.

Bis
ca. 1941 hatten die Velo-Lenker einen Horn- oder Bakelit-Griff. erst nach dem
zweiten Weltkrieg wurden dann die schwarzen Kunststoffgriffe verwendet.
Es gab drei verschiedene Lenker, einer mit einem Winkel etwas über 90 Grad, einer knapp um 90 Grad und die dritte Variante um 70 Grad. Erstere und zweite Variante an Fahrrädern der Firma Cosmos. Die letzte Variante wurde von allen Militärvelo-Fabrikanten gebaut.



1905 schrieb die KTA einen Fahrrad-Sattel der Firma R. Nagel & Co, Sattelfabrik, Bielefeld/D (Nagel`s Hawok-Tourensattel) vor, der auch anfänglich für die Ordonnanzräder verwendet wurde. Kurze Zeit später und bis Ende 1935 wurden die Fahrrad-Sattel der Firma Fr. Stefan Lederwerke AG, Mühlhausen/D, verwendet. Ab 1936 kam dann ein Sattel zu Anwendung, der denjenigen im Radsport glich. Später lieferte die Firma Lepper/VSL BV in Dieren (NL) und ab 1951- ca. 1986 die Firma Herbert Reinecke, Lederwarenfabrik, Beckenried, Fahrradsättel (mit eingestanztem Buchstaben R = Renard auf dem Leder)


Es gab mehrere Fabrikanten von Luftpumpen (Fahrrad-Pumpen), nämlich die Marken Adax, Ceka, Condor, Edco, Stella, SKS, Rex und Revill
Anfänglich wurde die Radpumpe mit zwei Klammern auf den Rahmen montiert. Als 1944 der Griff der Rahmentasche verschwand, wurde die Radpumpe dann links über die Rahmentasche befestigt..

Glocken waren bei Einführung des Ordonnanz-Rades nur Corps-Material, somit nur während des Diensteinsatzes am Velo montiert. Sonst blieben sie im Zeughaus. Die Firma Cosmos besassen ab 1905 an ihren Ordonanz-Rädern teilweise eine oben gewölbte, metallfarbene Glocke, so wie sie auch bei den privaten Normal-Fahrrädern benutzt wurden ( von der Firma Otto Scharlach, Nürnberg, oder der Firma Siluma AG, Biel ??). Es ist unbekannt, wie lange die Cosmos-Räder mit solchen Glocken versehen waren und was für eine Glocke die Ordonnanz-Räder der anderen Hersteller hatten.



Einige
Zeit nach Einführung des Ordonnanzrades waren die vom Militär abgegebenen
Velo-Glocken (in Messing) einheitlich oben flach und hatten auf matt-schwarz
lackiertem Grund erhaben ein Schweizerkreuz im Relief.
Erst ab 1939 wurden dann die Fahrrad-Glocken nicht mehr Corps-Material sondern direkt Bestandteil des Ordonnanz-Fahrrades, blieben somit auch ausserdienstlich am Velo montiert.
Ca. 1940 wurde das Schweizer-Kreuz nur noch eingraviert. Ca. 1950 wurden die Glocken nicht mehr in Messing sondern in Guss-Eisen hergestellt. Und ab ca. 1970 wurde das Schweizerkreuz ganz weggelassen. Dafür wurde dann auf dem Glocken-Deckel eine Befestigungs-Schraube versenkt. - Die Glocken rechts aus Messing mit dem eingravierten Schweizerkreuz ist vermutlich eine Originalglocke, die im Verlaufe der Zeit durch Abnützung oder gewollter Reinigung die schwarzen Deck-Farbe verlor.


Bekanntlich waren anfänglich Glocken nur Corps-Material. In der ausserdienstlichen Zeit hatte das Fahrrad somit keine Glocke. Die musste der Wehrmann (eine Glocke war für jedes Fahrrad polizeilich vorgeschrieben) daher selbst kaufen. Dies dürften hauptsächlich Wissner- (Metallwarenfabrik Wissner AG, Zella-Mehlis/D) und Scharlach-Glocken (Otto Scharlach, Metallwaren, Nürnberg/D) gewesen sein. Diese ganz oder teilweise in Messing gehaltenen Glocken mit einem Militärradfahrer auf dem Velo (im Relief) waren also keine offiziellen Glocken für das Ordonnanz-Rad, aber für Militär-Radfahrer gedacht. Sie wurden um 1915 - 1920 jeweils in Velohändler-Katalogen zum Kauf angepriesen.


Es gab keinen Ordonnanz-Gepäckträger. Die meisten Fahrräder hatten wohl einen Gepäckträger (es sind mindestens fünf Gepäckträger-Modelle bekannt), es gab aber auch Militär-Velos ohne Gepäckträger.


Es haben bekanntlich nicht alle Soldaten die gleich gross Körperlänge. Deshalb ist das Fahrrad mit Lenker und Sattel auf eine Körpergrösse von 155cm - 195cm individuell einstellbar.
Als Relikt aus der Zeit der Velos mit Starrlauf gab es unerklärlicherweise beim Militärvelo bis 1960 eine Aufsteighilfe, die hinten links an die Radnabe geschraubt wurde. Und dies obwohl seit Beginn der Produktion der Ordonanz-Räder diese immer mit einem Freilauf versehen waren !! Bis Ende 1930 wurde das Aufsteigen über die Aufstieghilfe drillmässig geübt.


Das ab 1905 hergestellte Militärvelo behielt bis zum Schluss 1988 das so genannte Zollgewinde, nämlich das englische Format mit der Gewinde-Norm 5x28U/Zoll. Man mied somit das metrische System.


Es gab für die Militärvelos verschiedene Lieferanten und Modelle von Fahrrad-Ketten, z.B. die Firma Wippermann jr.GmbH, Hagen/D, welche Ketten des Namens "Roterstern", "Blue Star" sowie auch "Red-Star". für die Militär-Velos fertigte Die englische Firma Renold plc, Manchester, lieferte Fahrrad-Ketten der Marke "Coventry". - Alle Ketten hatten eine Teilung von 1/2 x 3/16.und bestanden aus 114 Gliedern






Es gab für die Pneus anfänglich Kugel-Ventile, später dann auch Schlauchventile, mit den Felgen- und Ventil-Muttern. sowie den Ventil-Hütchen



Das Pneu-Flickzeug gab es in verschiedenen kleinen Metall-Behältern. So die Marken Omega, Vulcan No 5, SVV Rapid-Solid, Ordonnanz, usw.

Sehr
lange Zeit gab es keine Schlösser an den Militär-Velos. Als die
Militärvelo-Diebstähle immer mehr zunahmen, montierte man ebenfalls
Fahrradschlösser zur Diebstahlsicherung an die Velos. Und zwar verwendete man
die Marken Cosmos, Hebie-Trumpf (Firma Hebie Gmbh & Co. KG, Bielefeld) und Seca.. Die waren alle fest an den
Fahrrad-Rahmen montierte, die Schlösser mit entsprechenden Schlüsseln versehen.
- Nur Truppenräder hatten Schlösser, die Ordonnanzräder der Radfahrer aber
nicht.
Markierungen

Grundsätzlich war der Name des Fabrikanten nirgends auf dem Velo eingeprägt oder festgehalten. Als einzige Fahrrad-Herstellerin markierte die Firma Schwalbe AG mit einem Stempel verschiedene Anbauteile. Und zwar mit einer stilisierten Schwalbe (z.B. Radnabe vorne, Bordwerkzeug, usw.). Die Firma Schild & Cie. AG, Biel (Cosmos) versah ihre Velos teils mit Marken-Aufkleber .
Ketten-Räder
Aufgrund der individuellen Gestaltung des Kettenrades kann jeder Hersteller des Fahrrades eruiert werden.
Cosmos
Condor
Schwalbe
Zesar
MFG Helvetia
Antrieb

Der Antrieb des Velos erfolgt bekanntlich vom der Pedale/Kettenrad über eine Kette zum Ritzel am Hinterrad. Die Velokette war verstärkt, 1/2 X 3/16, sie musste die Maximalbelastung von 160kg aushalten, ohne zu reissen. Dabei hat das Kettenrad vorne 48 bzw. 50 Zähne, der Ritzel 19 bzw. 20 Zähne. Dass das vordere Rad viel mehr Zähne als das Hintere hatte rührt daher, dass um 1904 (Konstruktionsjahr des Rades MO 05) wegen des Übersetzungs-Verhältnisses das Vorderrad, teils noch als Antriebsrad, viel grösser als das Hinterrad war. Es gab damals noch keine Gang-Schaltung.
Rahmen-Nummerierung


Die Zuteilung der Nummern-Serien und die Auftrags-Erteilung zur Produktion der Velos an die Fahrrad-Fabriken erfolgten durch die Kriegstechnische Abteilung (KTA) in Bern.
Im Velorahmen hinten ganz oben, unterhalb des Sattels, hat der Hersteller das Herstellungsjahr mit einem Kreuz sowie die Serien-Nummer ins Metall eingeprägt
Beispiele einiger Jahrzahl-/Serien-Nummern 1907 = 501 1939 = 17197 1962 = 53190
1910 = 1342 1941 = 20062 1966 = 55342
1917 = 3171 1944 = 26404 1972 = 57046
1926 = 5115 1947 = 34458 1979 = 59877
1930 = 9097 1950 = 38744 1982 = 62051
1933 = 11038 1952 = 41887 1988 = 68614
1936 = 13476 1955 = 45434
1938 = 16774 1959 = 50173 (1989 = 153 gold) *
* = 1989 fabrizierte die Firma Condor SA für private Zwecke noch eine Spezialserie von 500 Ordonanzrädern (Rahmen-Nummern 1 - 500 und Jahrgang 1989 in Gold).
Ordonnanzfahrräder, die neben dem Herstellungsjahr kein Schweizerkreuz sondern den Buchstaben Z eingeprägt haben, waren Fahrräder der Eidgenössischen Zollverwaltung und wurden normalerweise nur im Zoll-Dienst eingesetzt. Diese trugen 4- oder 5-stelle Rahmennummern, welche mit der Nummernserie der Ordonnanz-Fahrrädern des Militärs nichts zu tun hatten.

Unterhalb des Tretlager-Gehäuses im Velorahmen haben die Militär-Velos mehrstellige Nummern und teilweise.auch Buchstaben eingeprägt.. - Was die Nummern und die Buchstaben bedeuten, ist ungewiss. Eventuell handelt es sich um Merkmale der Hersteller. Der Buchstabe "Z" könnte auf den Hersteller Firma Zesar AG, Nidau, die Buchstaben "Gebr R" auf die Firma Gebr. Räüegg, Uster, (Schwalbe-Fahrräder) hinweisen. Es gibt aber auch noch Buchstaben-Gruppen wie "GF" und "MVC". GF könnte das Zeichen von Georg Fischer sein, diese Firma war aber nie Fahrrad-Herstellerin. Und MVC ist ganz unklar.
Die ganze Sache dieser Nummern und Buchstaben ist ungeklärt. Ob hier irgendwer irgendwann eine Erklärung findet ?
Einsatz von requirierten und Privat-Fahrrädern im 2. Weltkrieg
Um den Bedarf von Fahrrädern bei den Truppen (exklusive Fahrradtruppen) zu decken, wurden ab 1939 bei Zivilpersonen, Militärpersonen und insbesondere bei offiziellen Fahrradhändlern Velos verschiedensten Marken meist vorübergehend "requiriert" und von Fahrrad-Schatzungs-Kommissionen geschätzt.
Die requirierten Velos wurden in einem Schatzungsverbal aufgeführt und bekamen eine Kontroll-Nummer, die normalerweise aus einer zwei-stelligen Zahl, einem Querstrich und einer weiteren 1 - 4-stelligen Zahl bestand (z.B. 58/787). Ob diese Zahlen auch auf einem speziellen Kontrollschild für requirierte Velos aufgetragen waren, und ob es überhaupt spezielle Velo-Schilder für solche Fahrzeuge gab, ist ungewiss..
Abgabe von Armee-Fahrräder an die Truppen ab dem zweiten Weltkrieg
Bis spätestens am 1. Dezember 1942 mussten man alle requirierten Fahrräder abschätzen und zurückgeben. Man bildete auf dieses Datum hin in Bern, Bulle, Kriens und Rapperswil Fahrrad-Depots und besorgten sich aus den Beständen der Fahrradherstellern direkt so genannte Armee-Fahrräder analog dem Typ Militärfahrrad. Diese Velos waren farblich in schwarz, hatten teils 1 1/4 Zoll dünnere Rahmenrohre als die Ordonnanz-Fahrräder. Sie waren häufig mit einem Kettenrad-Antrieb-Typ versehen, der an Stelle des 50-zähnigen Kettenrades nur 48 Zähne hatte. Die Fahrrad-Industrie produzierte immer mehr solche Armee-Fahrräder, sodass es um 1942 herum über 10 000 solcher Fahrräder gab, die im zweiten Weltkrieg jeweils leihweise während des so genannten Ablösungsdienstes den Truppen vorübergehend abgegeben wurden.
Nach dem zweiten Weltkrieg kamen die Armee-Räder dann bei allen militärischen Einheiten zum Einsatz. Auch bei den Radfahrern (neben dem Ordonnanzrad). Und sogar bei der Militär-Verwaltung in Bern und beim Granzwach-Corps.

Die so genannten Armee-Fahrräder hatten ein spezielles Schild. Es dürfte ab ca. 1941 zur Registrierung eingeführt worden sein, Wie das Schild anfänglich genau aussah, ist ungewiss. Es wurde auch nach dem zweiten Weltkrieg beibehalten. Ab 1962 übernahm man das Schild (gemäss Bild links) dann für alle Militärvelos und Ordonnanzfahrräder. Es galt als Registrier-Schild der Zeughäuser
Militärvelo MO 93
Als
sich die Armee nach 1980 entschloss, an Stelle
des Fahrrad-Modells MO 05 ein neues, komfortableres Militär-Fahrrad herstellen
zu lassen, erteilte die Gruppe für
Rüstungs-Dienste im Eidgenössischen Militär-Departement gegen Mitte der
80er-Jahren dem Ingenieur-Büro Helbling in Aarau den Auftrag, eine
Grundsatz-Studie zum Armee-Fahrrad 21 zu erstellen. Als diese Studie vorlag,
wurden 1989 aus neun Fahrrad-Herstellern drei ausgewählt und diese mit einer
Projekt-Studie beauftragt. Nämlich die Firma "Villiger" in Buttisholz, die "Condor"
in Courfsaivre und die "Helbling" in Aarau (Letztere in Zusammenarbeit mit der
Firma "Cilo" in Romanel). Die
Velofabriken Condor AG, Courfaivre und Villigers Söhne AG, Buttisholz,
konstruierten dann aus den Vorgaben gemäss Studie je einen
Prototyp. Und
schlussendlich
erhielt die Firma CONDOR
SA
den
Herstellungs-Auftrag.
Dabei wurden
auch Teile des Prototyps der Firma Villigers Söhne AG ins neue
Armee-Fahrrad integriert..


1993, 1994 und 1995 wurden insgesamt 5500 Stück (evtl. sogar mehr) neue Militär-Fahrräder des Typs MO 93 zu einem Preis von Fr. 2200.- gebaut. Das Velo war in grüner Farbe. Das Modell MO 93 wog 23kg, hatte einen 7-Gang Kettenwechsler (Marke Shimano). Es besass vorne und hinten eine Hydraulikbremsen der deutschen Firma Magura. Länge des Velos 1820mm, Breite 620mm, Höhe 1040mm, Radabstand 1116,6mm. Über dem Vorder- wie auch dem Hinter-Rad hatte es Lastenträger, zudem eine Rahmentasche. sowie ein Werkzeugtasche mit Werkzeug. Der Sattelhersteller war die holländische Firma Lepper. Eine Halogen-Lampe war am vorderen Gepäckträgerund montiert und hinten ein elektrisches Rücklicht (der Speichenraddynamo der deutschen Firma FER war am Vorderrad). Die Pedalen hatten Rückstrahler. Die Abgabe der neuen Räder an die Truppe erfolgte im Jahre 1995.

Die Rahmentaschen waren beim Modell MO93 einheitlich in grau/grüner Farbe.
Vor- und Nachteile des Ordonnanzrades MO 93
+++ Relevante Vorteile gegenüber dem alten Fahrrad MO 05 waren die 7-Gang-Schaltung, der etwas grössere Rahmen. Ferner die Hydraulikbremse die insbesondere bei trockenem Boden hervorragend und bei nassem und schmutzigen Booden gut waren. Leider gab es aber bei der Planung des neuen Velos noch keine V-Brakes und serienreife Scheibenbremsen.

Der gerade Lenke war sportlich und aerodynamisch bestens. Er bot mit seinen zwei Streben mehrere Montagemöglichkeiten und der erlaubte Einbau von privaten Lenkerendhörnchen erhöhte den Fahrkomfort. Auch der fest montierte Vorderrad-Gepäckträger gab die Möglichkeit, mehr Material besser zu transportieren.

Die Schaltung am Hinterrad war durch einen stabilen Wechslerschutz vor Steinen und Ästen geschützt, ebenfalls die Zähne des Kettenblattes durch je einen massiven Stahlring auf jeder Seite gegen Steine im Gelände.


Lastenträger gab es über dem Vorder- wie auch dem Hinter-Rad. Vorne wurde die Gefechtspackung (Kampfrucksack, Schanzwerkzeug und Doppeltasche) deponiert.. Der hintere Träger verfügte über Aufnahmen für Waffen und Munitionsträger (je nach Bewaffnung des Wehrmannes). Folgende Varianten standen bereit:: Vorrichtung zur Befestigung einer Panzerfaust - Minen- bzw. Munitionsträger in Körben beidseitig des Fahrrades - Laffettenträger für die Stützen des Maschinengewehrs - Maschinengewehrträger
nachträgliche Verbesserungen

Negativ fiel der Dynamo vom Typ FER 2000 aus. Er war ursprünglich mit Kunststoff-Getriebe ausgerüstet und hielt der Belastung meistens nicht stand und musste allmählich generell ausgewechselt werden.

Schlussendlich wurde bei den von MAVIC erstellten Felgen ein Produktionsfehler festgestellt. Viele Radfahrer mussten deshalb die Schweissnähte nachschleifen, Damit beim ersten Einsatz des Velos nicht der Veloschlauch beschädigt wurde und einen Platten hervor rief. Auch zeigte die Keramikbeschichtung der Felge nach und nach Mängel, löste sich teilweise ab.

Und zum Schluss noch was weniger tragisches. Die Rückstrahler an den Pedalen waren lose montiert, was ein Geräusch beim Treten n die Pedale bewirkte. Was wiederum im Gefecht den "Feind" sehr erfreute.
Fahrrad-Anhänger
Kurz nach der Mobilmachung 1939 wurde in der Armee der Wunsch nach einem Velo-Anhänger laut, der auch marschierend verwendet werden konnte. 1970 konstruierten deshalb zwei Offiziere eines Territorial-Regimentes aus eigenem Antrieb einen solchen Anhänger. Im Dezember 1940 orientierten sie ihren Regimentskommandanten darüber. Alsdann wurde die Firma C.M.S Porrentruy mit der Herstellung einiger Anhänger beauftragt. Die Kupplungen lieferte die Firma H. Winkler, Velofabrik, Belp.
Die KTA in Bern wurde dann in die ganze Angelegenheit eingeschaltet, die ihrerseits im Frühjahr 1944 weitere Erhebungen durchführte. Gleichen Jahres wurden die Kredite für die Beschaffung der Veloanhänger gesprochen und der Bau derselben konnte begonnen werden.
Es gibt mindestens drei Versionen von Fahrrad-Anhängern für die Armee. Im Einsatz standen diese teils für das Sanitäts-Personal, die Küchen-Mannschaft sowie für sonstigen Waren- und Material-Transporte.
Anhänger mit befestigter
Bahre
Modell 80
Modell 61



Leider ist es im Moment schwer, für die Anhänger Hersteller und die technische Einzelheiten sowie Typ und die Herstellungsjahre ausfindig zu machen. Es fehlen in der Literatur weitgehend Hinweisen über die Fahrrad-Anhänger. Auch die mündlichen Abklärungen bei zuständigen Personen (Privatpersonen und Armee/Zeughaus-Angehörigen) bringen kaum Erfolg.
kurios

Kuriose Sachen
Das Ordonanzrad MO 05 wurde eigentlich im Jahre 1904 geplant und zur Fertigung frei gegeben. Im Jahre 1905 erfolgte dann die erste Auslieferung. Daher sollte das Rad eigentlich Ordonanzrad MO 04 genannt werden !
Weil der Radfahrer ja sein Fahrrad auch ausserdienstlich benutzen konnte, wurde irgendwann von hoher militärischen Stelle entschieden und mittels Reglement genau festgehalten, dass der Wehrpflichtige die Pneus an seinem Velo nicht zivil gebrauchen dürfe, das würde den Staat unnötig kosten. Oder aber er behielt zivil die Pneu am Rad und zahlte beim erneuten Einrücken "den Minderpreis wegen privater Benutzung". Normalerweise montierte der Soldat also bei Dienst-Ende die Pneus vom Velo ab und beim erneuten Einrücken wieder an sein Fahrrad. Die Pneu waren also in ausserdienstlicher Zeit dem Zeughausangestellten mit an Schnur befestigtem Zettel abzugeben, damit dieser sie in einem Lager deponieren konnte. Beim Einrücken waren die entsprechenden zwei Pneus aus dem Lager zu nehmen und dem Wehrmann auszuhändigen, damit er sie an Stelle der privaten Pneus auf sein Ordonanzrad montieren konnte. So sparte man jeweils wenige Franken, da die Pneus nicht ausserdienstlich benutzt wurden. - Und oh Wunder, irgendwann um 1956 merkte wohl ein ranghoher Offizier, dass das Deponieren der Pneus teurer zu stehen kam als seine ausserdienstliche Benutzung. Also rasch ein neues Reglement und gegen Ende der 50iger Jahre Verzicht auf den Pneuaustausch.
Kurios war auch die Aufsteighilfe hinten links bei der Radnabe des Militärvelos. Dies war ein Überbleibsel aus der Zeit als die Velos noch Starrlauf hatten. Bis 1960 wurde diese unnötige Aufsteighilfe werkseitig montiert,, obwohl die Militärvelos ab 1905 durchwegs Freilauf hatten. Und der Clou der Geschichte, die Militärradfahrer mussten über viele Jahre gruppenweise das Aufsteigen mit dieser Vorrichtung am Hinterrad üben:. - Körper mit gespreizten Beinen über hintere Radachse, mit beiden Händen Lenker festhalten, dann linken Fuss auf Aufsteighilfe. Mit rechtem Fuss zwei Schritte nach vorne und dann auf den Sattel sitzen und wegfahren. Und dies übte man, obwohl das Velo mit dem Leerlauf versehen war.
Bis 1944 gab es am Ordonanz-Fahrrad vorne nur eine Stempelbremse und hinten den Rücktritt. Auf längeren steilen Abwärts-Fahrten konnte da mal der Rücktritt warm oder die Beine verkrampft werden. Fürs Erstere waren Halts mit Wasserlösen geeignet. Zudem benützte man bis zur Einführung der Trommelbremse hinten, also bis 1944, auf den noch nicht sehr verkehrsreichen abfallenden Strassen eine so genannte Schleppbremse. Man hängte ans Velo einen kleineren Baum oder grösseren Ast an, der für Geschwindigkeitsreduktion sorgte.
Gesetze und Vorschriften über die Fahrrad-Truppe
Erlasse, Gesetze, Vorschriften
1892 Weisung "Fahrschule für die Militär-Radfahrer"
1893 Dienstanleitung für die Radfahrer der Schweizer Armee
11. August 1893 Bundesratsbeschluss über Bekleidung, Ausrüstung und Bewaffnung
16. Dezember 1894 Bundesratsbeschluss über Normalfahrräder
Am 11. Januar 1898 Revision des Bekleidungs- und Ausrüstungs-Reglement
5. Januar 1901 Erste Reparaturanleitung in den Dienstvorschriften
Am 12. April 1904 genehmigte der Bundesrat das Konkordat über eine einheitliche Verordnung betreffend den Motorwagen und Fahrrad-Verkehr.
Am 5. Juli 1904 genehmigt der Bundesrat die neue Verordnung betreffend die Fahrräder der Radfahrer-Abteilungen
Am 15. Februar 1907 genehmigte der Bundesrat die Vorschriften über Stellung, Requisition und Miete von Rädern und Motorrädern
Am 9. November 1909 beschloss der Bundesrat die Erneuerung der Verordnung betreffend die Militärfahrräder
1911 neue Truppenordnung in Kraft gesetzt
Am 16. Januar 1912 Verordnung betreffend Verwendung und Stellung von Fahrrädern durch Offiziere
Einteilung

.
Ab 1911 bildete man innerhalb der Infanterie (= grüne Truppen) eine eigene Radfahrer-Kompanie mit 900 Angehörigen.
1914 rückten bei Kriegsbeginn insgesamt 14 Radfahrerkompanien ein.
1925
hatte die Armee 6315 Radfahrer-Soldaten in 26 Kompanien.

Ab 1936 erfolgte dann der Wechsel zu den leichten Truppen/(=Kavallerie gelbe Truppen) und gleichzeitig wurde die Radfahrer-Rekrutenschule von 22 Tagen auf 13 Wochen erhöht. Die Radfahrer umfassten nun 6 Bataillone (je 3 Kompanien und eine motorisierte Lmg-Kompanie).
Nach 1945 wurde der Bestand der Radfahrer infolge der Motorisierung stetig reduziert.
1947 kam eine neue Truppenordnung. Nun gab es 9 Radfahrer-Bataillone.
1949 wurden die Radfahrer den leichten Brigaden zugewiesen. Neu gab es 3 Radfahrer-Regimenter.
1961 wurden die 3 Radfahrer-Regimente direkt dem Feldarmeecorps unterstellt.
1962 waren die Radfahrer als Korpstruppen den mechanisierten Divisionen zugeteilt (Kavalllerie, Radfahrer, Motorradfahrer, motorisierte Truppen, Transporttruppen, Motorrad-Dragoner, und einige Panzerbesatzungen)
1962 erfolgte die Abschaffung der Radfahrer-Landwehr-Truppen
1965 bekommten die Radfahrer einen eigenen Einsatz-Doktrin. Radfahrerverbände kämpfen grundsätzlich wie Infanterieverbände. .Sie sind vielseitig verwendbar. Ihre Feuerkraft entspricht annähern derjenigen der Infanterieverbände.
Als 1972 die Kavallerie-Einheiten aufgelöst wurden, gab es damals 9 Radfahrer-Bataillone. Die einzelnen Radfahrer-Regimenter wurden mechanisierten Divisionen zur Ausbildung zugeteilt. So zum Beispiel das Radfahrer-Regiment 6 von 1962 - 1994 der Mech Div 11 und dann von 1995 - 2003 als Verband der F Div 7.
31.12.2003 Anlässlich der Armee-Reform XXI Abschaffung der Radfahrer-Truppe (insbesondere wegen Fehlens von Splitterschutz und moderner Sensortechnik)
Truppenordnung 1936

1936 wurden die Radfahrer von
der Infanterie weggenommen und der Kavallerie unterstellt. Aus grün wurde eine
gelbe Truppe. Die neue Truppenordnung schuf so eine "leichte Truppe"
welcher die Kavallerie, die Radfahrer und die motorisierte leichte Truppe
angehörten., Die Radfahrer bildeten 6 Baraillone mit je 3 Kompanien und
einer motorisierten Lmg-Kompanie.
1965 eigene Einsatzdoktrin
1965 bekamen die Radfahrer-Truppen eine eigene Einsatzdoktrin mittels Reglement "Der Einsatz und die Ausbildung der Radfahrerverbände". Sie hatten nun folgende Aufgaben zu lösen:
Einsatz als schnelle Reserve zum Abriegeln von kleinen Fronteinbrüchen, zum Eindämmen von Durchbrüchen und zum Kampf gegen Luftlandungen. - Deckungsaufgaben in panzerungünstigem Gelände - Kampf um Zeitgewinn. - Die Radfahrerverbände kämpfen grundsätzlich wie Infanterieverbände.
Armee-Reform 95
Mit der Armee-Reform 95 schuf man 3 Radfahrer-Regimenter (Nr. 4, 5 und 6). Das Regiment 4 umfasste den westlichen Teil der Schweiz, das Regiment 5 das Mittelland und das Regiment 6 die Ostschweiz. Jedes Regiment hatte 3 Radfahrer-Bataillone (Nr. 1 - 9). Dabei wies ein Radfahrer-Bataillon rund 500 Wehrmänner auf, verteilt auf mehrere Radfahrer-Kompanien und ihre Züge.
Rdf Regtment 4>
Rdf.Regiment.5>
Rdf Regiment 6> 
Batallion Cycliste 1 Radfahrerbatallion 3 Radfahrerbatallion 5
Radfahrerbatallion 2 Radfahrerbatallion 4 Radfahrerbatallion 6
Radfahrerbatallion 7 Radfahrerbatallion 8 Radfahrerbatallion 9
Die einzelnen Bataillone gliederten sich in Kompanien. wobei die meisten davon Kampfkompanien waren. - Nebst der Stabskompanie, die der Führung, Sicherung, Versorgung und Logistik verantwortlich war und der Sanitätskompanie, gab es die Kampfkompanien mit Radfahrern, ausgerüstet mit Panzerfäusten und Maschinengewehren, mit Panzerabwehrlenkwaffen, mit leichten Minenwerfern, mit schweren Minenwerfern sowie Panzerjäger mit Piranha-Fahrzeugen, - Jede einzelne Kompanie war dabei in mehrere Züge aufgegliedert, die spezielle Aufgaben hatten.
Die Radfahrer hatten nun innerhalb der Armee die Aufgabe der Überwachung und Sicherung von grösseren, truppenleerer Räume. Flankenschutz für Panzerbrigaden. Orts- und Häuser-Kampf sowie Bewachung und Überwachung wichtiger Objekte. - Die Radfahrer bekamen eine neue Kampfbekleidung, ein neues Sturmgewehr und man führte die Panzerfaust ein.
Im Verlaufe der Zeit bekamen die Radfahrer hochtechnische Geräte, wie z.B. Nachtsichtgeräte, Restlichtverstärker, Simulatoren, Funkstationen, usw. Dies bedingte, immer grösseren Ausbildungszwang und dadurch effizientere Ausbildungspläne. Dies auf Kosten längerer Verschiebungen per Rad. Schlussendlich blieben (leider !!) pro Wiederholungskurs nur noch 1-2 echte Radmärsche
eigenes Truppengattungsabzeichen

Um die Mitte der neunziger Jahren bekommen die Radfahrer endlich ein eigenes Truppengattungsabzeichen (ein symbolisiertes Speichenrad unter den gekreuzten Gewehren), das sie von den Füsilieren optisch abhob.
Gliederung Radfahrer-Regiment 5
beim letzten WK 2003
Rdf.Bat 3 Rdf.Bat. 4 Rdf.Bat. 8




Armee-Reform XXI
Das Ende der Fahrrad-Truppen
Anlässlich der Armee-Reform XXI (Reduktion des aktiven Truppenbestandes von 360 0000 auf 120 000 Wehrpflichtige) wurde in den Reihen der zuständigen Militärführung schon sehr früh diskutiert, ob es für die Radfahrer noch im neuen Armee-Leit-Bild einen Verwendungszweck hat. Es gab zwei Alternativen. Entweder Umrüstung der Radfahrer in Richtung Kampfwertsteigerung und Splitterschutz um im mechanisierten Gefechtsfeld auch zukünftig wie die Infanterie statisch im Einsatz stehen zu können. Oder aber dann die Abschaffung der Fahrrad-Truppe. Und weil das von den Radfahrern unter diesen Verhältnissen (verlangte volle Gefechtsfeld-Beweglichkeit) nie erreicht worden wäre, man konnte ja die Truppen nicht ins Gefecht von A nach B schicken, musste man einsehen, dass die Radfahrer in der Armee XXI keinen Platz mehr hatte. Daher wurde entschieden, die Fahrrad-Regimenter 4, 5 und 6 aufzulösen. Am 27. Februar 2001 wurde durch Verteidigungsminister Samuel Schmid dies offiziell auf den 1. Mai 2003 angekündet. - Die Felddivision 5, der auch das Rdf.Rgt. 5 angehörte, wurde 2003 ebenfalls aufgelöst.


Am 1. Mai 2003 schloss als letzter Radfahrer-Verband das Radfahrer-Regiment 5 seinen Wiederholungs-Kurs ab. Dann wurde die gesamte militärische Fahrrad-Truppe aufgelöst und die erst 10 Jahre alten und gut erhaltenen Fahrräder ausgemustert.
<<-- Billig zu bekommen im Armee-Liquidations-Shop -->
Die ehemaligen Radfahrer-Angehörigen
fanden nach der Auflösung der Radfahrer-Truppen insbesondere bei der
Mechanisierten Infanterie, den Mechanisierten Aufklärern und bei den
Panzergrenadieren Zuteilung.
zum Nachdenken
Gedicht von Soldaten des Redfahrer-Regiments 5

Unterwegs auf Sattel und Pedalen, Rein in Panzer ihr Radgenossen
wenig brauchts, damit wir strahlen dem frühern Feind seid angeschlossen
Rund ist die Welt, rund unser Gefährt, rund bleiben bloss die Einstiegsluken,
rund scheint alles, was sich bewährt. das neue Motto lautet "Achtung ducken!"
Die Kraft der Beine, unser aller Fleiss So geben wir dem Rad unser letztes Geleit,
ganze Bergseen füllen wir mit Schweiss. sind zum grossen Absitzen bereit.
Ein Körper, der sich immerzu bewegt Murren ist des Radfahrers Sache nicht,
und die Natur stets tief erlebt. auch wenns im Herzen ein wenig sticht.
Doch vorbei ist bald des Rades Surren,
vorbei der Kette leises Schnurren.
Erinnerungen an den Wiegetritt
und auch an den öden Schiebeschritt.
Bekenntnis

Adieu treues Ordonnanzrad, adieu du Nostalgie,
Motoren sind nun in und das Radfahren nur noch Historie !
Hier ziehen die einst sehr tüchtigen Radfahrer-Mannen
als Pedailleure und verschworene Einheit endgültig von dannen.
Einmal Radfahrer, immer Radfahrer, Herr Oberst bitte sehr,
der Spruch hat nun leider in Zukunft keine Gültigkeit mehr.
Was zurück bleibt sind schöne Erinnerungen an verflossene Zeiten
und die Gedanken, die nun halt etwas Wehmut bereiten.
Doch Kameradschaft, Freundschaft bleiben über den Dienst hinaus bestehen.
Das soll so sein und das soll man auch weiterhin deutlich sehen.
Das Militärvelo, es bleibt einem
nun auf immer als eigen,
das benützt man auch weiterhin privat und tut sich damit gern zeigen.
Meine Truppe, meine Einheit ist leider heute so nicht mehr existent
Doch die Identifikation zu ihnen bleibt in mir unauslöschlich, immer, latent !
Ich war einst bei den stolzen Militär-Radfahrern, so lautet mein Credo.
Und das gilt und bleibt auch in Zukunft unauslöschlich immer so
Ob Velosturz, Panne, Wadenkrampf oder einen starken Kater,
ob kein Schlaf, dauernd unterwegs oder sonst einen grossen Marter;
in Erinnerung zurück bleibt dem Radfahrer dienstlich nur ein Gedanke, der Clou,
Ich war Militärradfahrer, Gott sei dank, ich gehörte dazu !
Radfahrer-Persönlichkeiten
Radfahrer-Persönlichkeiten

Eine grössere Führungsrolle hatte bei den Radfahrer-Truppen Jean-Pierre Leuenberger inne. Zuerst war er stellvertretender Kommandant und dann Kommandant der Radfahrer-RS 26/226, dann als Hauptmann Kommandant der Radfahrer-Kompanie. II/1, anschliessend als Major im Generalstab Kommandant des Radfahrer-Bataillon 1 und schlussendlich als Oberst im Generalstab Kommandant des Radfahrer-Regiments 4.

Oberst René Fischer gehörte 29 Jahre dem Radfahrer-Regiment 5 an, zu letzt war er deren Kommandant (Radfahrer aus dem Gebiet Zentralschweiz/Mittelland)..

Der letzte Kommandant des Radfahrer-Regiments 6 (Gebiet Ostschweiz = Zürich, Schaffhausen, Thurgau, St. Gallen, Appenzell Innerrhoden, Appenzell Ausserrohoden) war Oberst im Generalstab Martin Gubler mit seinen drei Bataillons-Kommandanten Oberstlt. i.Gst. Fredy Kelller (Rdf.Bat.5), Oberstlt. i.Gst. Willy Brülisauer (Rdf.Bat.6) und Oberstlt.. Markus Wintsch (Rdf.Bat.9)..

Am Beispiel des Radfahrer-Regiments 6 noch einige ehemaligen Regiments-Kommandanten:: Brigadier Robert Gubler, Brigadier Peter Keller, Brigadier Urs-Peter Ramser, Oberst i.Gst. Heinz Baumgartner, Oberst i.Gst. Peter Grüter, Oberst Heinz Keller, Oberst Anton Reinhart, Oberst Eduard Sauer, Oberst i.Gst. Georg Staub, Oberst i.Gst. Kurt Widmer und am Schluss Oberst i.Gst. Martin Gubler

Insgesamt sind 20 ehemalige Kommendanten von Radfahrer-Regimentern in die Generalsränge aufgerückt. Nämlich zuu Korpskommandanten René Dubois, Adolf Hänslin, Eugen Studer und Fritz Wille. Zu Dvisionären Denis Borel, Hans Eichin, Hubert Hilbi, Christian Schlapbach, Andreas Schweizer, Hans Trautweiler, Carl Weidenmann,. Und zu Brigadiers Jean-Francois Corminboeuf, Bruno Deslarzes, Hans Fischer, Peter Keller, Ernst Müller, Urs Peter Ramser und Arnold Soutter. Zum Generalstabsoberst Martin Gubler und Jean-Pierre Leuenberger..


Raymond Schaller (rechts) war von 1944 bis 1990 Konstrukteur bei der Firma Condor SA, Courfaivre und hatte dort ab 1944 alle Zweiradkonstruktionen verantwortlich mitbetreut. Schaller erwähnte, dass die Armeevelos meistens nur im Winterhalbjahr hergestellt wurden, damit auch in dieser Jahreszeit die Fahrrad-Produktion der Firma ausgelastet war.
Militärradfahrer im Dienst
Das war einmal


Militärradfahrer im Jahre 1906

Mobilmachung 1939

Generals-Hut Truppenabnahme durch General Guisan Abfahrt ins Ungewisse



in Reih und Glied Prost auf einen Schluck "Kurvenöl" Verdammt, Defekt mitten im Dorf


WK-Impressionen

Finale


Das Radfahrer-Regiment 5 absolvierte als letztes der drei militärischen Radfahrer-Einheiten ihren WK 2003 im April/Mai. Bei WK-Ende am 1. Mai 2003, nachmittags, wurde in Viererkolonne vorbei am Kommandanten der Felddivision 5, Divisionär Paul Müller, in Sempach (beim Schlacht-Denkmal) ein Difilee durchgeführt. Das war der letzte militärische Einsatz einer Radfahrer-Einheit in der Schweizer Armee. Seither gibt es keine Militär-Radfahrer und kein Radeln nach Dienstbefehl mehr..
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Nachdenkliche Radfahrer des Rdf.Rgt. 5 auf der letzten dienstlichen Fahrt in Sempach kurz vor der Liquidation ihrer Einheit ! Was sagte doch einst Oberst René Fischer (Kommandant Rdf.Rgt. 5) so schön über seine Truppe: "...einmal Radfahrer, immer Radfahrer..."
Militär-Radfahrer und Politik
Bundesrat und Ordonnanzrad zum ersten

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Kaspar Villiger war 1982 - 1989 Inhaber der Fahrradfabrik Villiger AG in Buttisholz. Ab 1989 und bis 2003 wurde er als Bundesrat gewählt. Er musste deshalb1989 bei Amtsantritt als Bundesrat seine Fahrrad-Fabrik, die ab 1993 auch an der Herstellung des Ordonnanzrades MO 93 beteiligt war, seinem Bruder Heinrich verkaufen.
Bundesrat und Ordonnanzrad zum zweiten



Ueli Maurer war einer der ehemalig höheren Militär-Radfahrer (Major des ehemaligen Radfahrer-Bataillon 5) und ist nun seit dem 10.12.2008 Bundesrat
Bundesrat Ueli Maurer steht dem Departement für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport (VBS) vor
Fahrrad-Kontrollschilder
Armee-Fahrrad-Kontrollschilder
1896 liess die Armee für die von Ihr bei der Fahrradfirma Gustav Adolf Saurer in Arbon bestellten so genannten Normalfahrräder 100 Veloschilder für die Radfahrer herstellen. Sie sollten rote Zahlen von 1 - 100 haben und den vom Kanton Bern eingesetzten Veloschildern ähnlich sein, nur etwas grösser.




Von 1905 - 1961 hatten die Militär-Fahrräder grössere, sechs-eckige Kontroll-Schilder mit einer Ziffer (diese entsprach teils der vier letzten Zahlen der Rahmen-Nummer des Velos) und bis 1932 ohne, dann mit einem Buchstaben (A - E)..

Ab 1962 - 2003 gab es die kleineren Veloschilder im Ausmass analog der kantonalen Schilder.. Die Ziffer 1001 trugen Schilder von Ordonanz-Velos, die 2001 Velos des übrigen Truppen (Corps-Material).


Ungefähr ab 1941 wurden die neu geschaffenen Armee-Fahrräder mit diesem Kontrollschild versehen. Später dann auch die Ordonnanzräder (Corps- und Schul-Räder). Und ab 1962, nach Abschaffung der alten sechs-eckigen Fahrrad-Schildern und anlässlich der Einführung der neuen, roten Veloschilder, wurden sämtliche Ordonnanz- und Armee-Fahrräder nebst dem roten Fahrrad-Schild zusätzlich mit dem Kontroll-Schild (so genannte Zeughaus-Nummer) versehen, das hinten unter dem Sattel befestigt war, wobei die Fahrräder die fünfstelligen Nummern 1xxxx - 9xxxx zugewiesen erhielten..


Die Veloanhänger bekamen auch ein Kontroll-Schild in gleicher Art und gleichem Ausmass wie die Velos, aber mit einer vierstelligen Zahlen und zwar innerhalb den Nummern X - 9999.
Historisches
Historische Radfahrer-Kompanie



Obwohl es seit 2003 offiziell keine militärischen Radfahrer-Einheiten mehr gibt, hat sich auf Anregung von Divisionär a.D Paul Müller (letzter Kommandant der F.Div 5) aus dem Kreis der ehemaligen Militär-Radfahrer eine Historische Radfahrer-Kompanie gebildet, die absolut identisch und vollständig wie zur Dienstzeit ausgerüstet ist (Uniform, Fahrrad, Bewaffnung der drei Epochen Ordonnanz 40, 61 und 90) und ihren Stützpunkt im ehemaligen Zeughaus Aarau hat. Sie führt ausserdienstliche und gesellschaftliche Anlässe durch.
Weitere Einzelheiten zur historische Radfahrer Kompanie siehe hier !
Adressen, Literatur, Links
Hier können Sie ihr Schweizer Ordonnanz-Fahrrad/Militär-Fahrrad reparieren oder revidieren lassen und auch Ersatzteile dazu beschaffen. Oder sogar ein Ordonnanz-Fahrrad kaufen.:
Philippe Schranz Stefan Mathis Velo Zürich GmbH
Unterbälliz 12 In den Wässermatten 3 Flüelastr. 47 + 54
3661 Uetenndorf 5603 Staufen/AG 8047 Zürich
Tel, 033 345 31 03 062 891 29 63 Tel. 044 491 92 93
www.ordonnanzrad.ch www.velo-zürich.ch
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Literatur zum Schweizer Ordonnanz-Fahrrad/Militär-Fahrrad und zur Radfahrer-Truppe finden Sie unter
Carl Hildebrandt René Hauser/Stephan Mathis, unter Mitarbeit von Philippe Schranz
Das Ordonnanzfahrrad in der Schweizer Armee 1897 - 1913 Die Nummerierung des Ordonnanzrades der Schweizer Armee 1905 - 1988
Verein Schweizer Armeemuseum, Thun (2009) Schweizerisches Archiv für das Ordonnanzfahrrad, Zürich (2010)
ISBN 978-3-033-02128-0 ISBN 978-3-033-02479-3
Carl Hildebrandt
Das Ordonnanzfahrrad in der Schweizer Armee 1914 - 1945
Verein Schweizer Armeemuseum, Thun (2012)
ISBN 978-3-033-03071-8
Rolf Leiser Robert Gubler
Hundert Jahre Radfahrer-Truppe 1891 -1991 Schweizer Militärradfahrer 1891 - 1993
Bundes-Amt für mechanisierte und leichte Truppen, Bern (1991) Verlag NZZ, Zürich (1993)
ISBN unbekannt ISBN 3858233935 (vergriffen)
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Links zu militärischen und technischen Angaben über die Schweizer Radfahrer-Truppen und das Ordonnanzrad
Radfahrer-.Regiment 6 www.rdfrgt6.ch
Militär-Radfahrer www.radfahrer.ch
Armee-Museum, Thun www.armeemuseum.ch/
Condor-Club Niederlanden www.condorclub.nl/
Enigmayr, Deutschland www.enigmayr.de/
Militärfahrrad www.militaerrad.de/velo_katalog.html
Frank Lompscher, Lörrach www.mein-schaufenster.com/Fahrrad/Geschichte/Ordonnanz-Fahrrad-05/Informationen_und-deren-Quellen.html
Bruno Agnelli, Zürich www.daniel-markwalder.ch/webneu/seiten/hotnews/2009/2.pdf