Die ersten Motorfahrzeug-Halter im Kanton Luzern   

                                                        105 Jahre Motorfahrzeug-Schilder

                                                                                                  Fahrzeugherstellung im Kanton Luzern

 

 

                                         

 


 

Vorreiter der Motorfahrzeug-Kontrollschilder

Die ersten Schweizer Automobilisten dürften im Welschland wohnhaft gewesen sein. Genf zählte 1900 schon 102 Fahrzeuge, das war weit mehr als doppelt so viel wie die Zahl der Autolenker in der gesamten deutschsprachigen Schweiz zusammen; Zürich hatte damals weniger als 10 Motorfahrzeuge, Bern ebenfalls. In Luzern fuhren 1900 und 1901 noch gar keine, 1902 acht, 1903 siebzehn und 1904 dreissig Autos umher, welche gemeldet waren. Und zwar waren alle aus der Stadt Luzern. In gewissen ländlichen Kantonen gab es um diese Zeit (ca. 1904) weiterhin noch keine Autos. Der Kanton Graubünden verbot sogar bis 1925 jeglichen Motorfahrzeug-Verkehr auf seinen Strassen. Bündner Autobesitzer mussten bei der Ausfahrt mit ihren Autos Pferde vorspannen !

Vor 1900 durfte jedermann ein Auto ohne Fahrbewilligung, ohne Fahrzeugausweis und auch ohne kantonales Motorfahrzeug-Nummernschild fahren. Man zahlte teilweise lediglich eine kleine jährliche Einheits-Gebühr pro Auto. Um die Jahrhundertwende gaben dann einzelne Kantone erstmals emaillierte Velo-Nummernschilder als Auto-Kontrollschilder ab, in den übrigen Kantonen fuhren die Autos weiterhin ohne Schilder umher.

1902 erstellte der Kanton Luzern eine Verordnung über Motorfahrzeuge und verfügte, dass die Autos pro Jahr Fr. 30.- Gebühren zu bezahlen hätten. Weiter schrieb er in seiner Verordnung  (Art. 6) vor, dass mit der polizeilichen Bewilligung auch eine Nummerntafel abgegeben werde, die am Fahrzeug deutlich sichtbar zu befestigen sei. Wie diese Tafel aussah und wer sie bekommen hatte, ist heute leider nicht mehr festzustellen.  


                                                                                                               Die ersten Auto-Konkordatsschilder ab 1905

 

Am 13.7.1904 gründeten die meisten Kantone ein Automobil-Konkordat und erstellten rudimentäre aber einheitliche und gesamtschweizerisch geltende Vorschriften über die Motorfahrzeuge. An den Autos waren zwei Kontrollschilder zu befestigen, welche das Kantonswappen und eine individuelle Nummer trugen.

Am 6.2.1905 schrieb das Konkordat für die Kantone einheitliche Motorfahrzeug-Schilder vor und teilte ihnen je eine Nummern-Serie zu. Die Schilder mussten links das Schweizerwappen, dazwischen die Registerzahl und rechts das Kantonswappen haben. Luzern bekam vom Konkordat die Motorfahrzeug-Nummern LU 2201 – LU 2600 zugewiesen (Zürich ZH 1 -  ZH 1000, Bern BE 1001 -  BE 2200, Genf GE 8801 – GE 9999, usw.). Man war damals der Meinung, in der Schweiz würde es niemals mehr als 10 000 Fahrzeuge zirkulieren! Luzern trat dem Konkordat sofort bei und begann 1904, den Auto-Haltern Motorfahrzeug-Kontrollschilder ab zu geben. 

Erwähnenswert ist in diesem Zusammenhang, dass der Kanton Luzern mit seiner Verordnung vom 1.6.1892 betreffend das Fahren mit Velocipedes hingegen schon 1892 den Fahrrädern Velonummern vorschrieb  "....die in deutlich sichtbarer Weise nach vorne an der Steuerung des Fahrrades anzubringen sind..." !

Als 1911 die zugeteilten Nummer-Serien von gewissen Kantonen aufgebraucht waren, begannen diese wieder neu mit der alten Schilder-Nummerierung, setzten aber hinter die individuelle Nummer den Buchstaben "A", später "B",  usw. dazu.  Luzern begann nach Ausgabe von LU 2600 also auch mit LU 2201A,

Der erste Autoindex von Luzern war nur ein handgeschriebenes unvollständiges Verzeichnis von 1917 (Staats-Archiv Luzern) über die Fahrzeughalter. Darin ist unter der Auto-Nummer LU 2201 nichts eingetragen. Somit bleibt unbekannt, wer die erste Luzerner Autonummer einlöste und wann dies genau passierte. Unter LU 2202 war Gottlieb Leu, Hauptagentur Schweizer Mobiliar, Guggistr. 6, Luzern, erwähnt. LU 2203 und zudem LU 2216 gehörten Henri Racine, Asphalteur, Hochbühlstr. 5, Luzern.

Im ersten offiziellen Luzerner Verzeichnis vom Juni 1925 war unter LU 2201 Alfred Hüsler (1880 – 1981), Landwirt, Unternehmer und Grossrat, Niederwil, Rickenbach/LU, aufgeführt. Diese Nummer behielt er bis 1932. Ab 1933, nach der Schilder-Neuordnung, hatte Hüsler bis zu seinem Tode die Nummer LU 6820. Diese Nummer gehört noch heute Hüslers Nachkommen in Rickenbach/LU.

Die ersten Autos fuhren also alle in der Stadt Luzern (ehemaliges Amt Luzern). In den übrigen vier Ämtern waren folgende Personen als erste Auto-Halter aufgeführt:  LU 2253  Adolf Liechti, St. Urban (Amt Willisau),   LU 2254  Gebrüder Wyss, Brauerei, Hochdorf (Amt Hochdorf),   LU 2293  Otto Troller, Bad, Knutwil (Amt Sursee),   LU 2348  Firma Fankhauser und Brun, Schüpfheim (Amt Entlebuch).


                                                                                                             . Die ersten Motorrad-Konkordatschilder ab 1905

 

1922 wurde erstmals ein Verzeichnis über die abgegebenen Motorrad-Verkehrsbewilligungen ausgegeben.  Damals gab es noch keinen speziellen Index für Motorräder. Carl Spörri, Angestellter, Emmenbrücke, wurde unter der Nummer LU 2201 aufgeführt. Er hatte ein Motorrad der Marke Condor. -  LU 2202 war nicht verzeichnet, vermutlich war das Schild damals nicht in Zirkulation. -  LU 2203 gehörte einem Herrn Otto Schmid, Kaufmann, Klosterstrasse 14, Luzern. Er benutzte ein Motorrad der unbekannten Marke Aloyon.

Eigentümlicherweise wurden bei den Motorrädern ab 1923 nur noch Schilder ab der Nummer LU 2201B zugeteilt, die Nummern LU 2201 - LU 2600 und LU 2201A - LU 2600A eingezogen. Hingegen liess man es bei den Autos bei der Nummerierung ab LU 2201. Somit blieb bei den Schildern für Autos und Motorrädern trotzdem eine Doppel-Nummerierung ab der Nummer LU 2201B

Im ersten offiziellen Motorradverzeichnis 1925 wurde Josef Haas, Fabrikarbeiter, Emmenbrücke, unter LU 2201B mit einem Motorrad Raleigh verzeichnet. Diese Nummer behielt Haas bis zum Wechsel auf die heute noch gültige Schilder-Regelung und -Form im Jahre 1933.

Vor der Auflösung des Konkordats und der Einführung neuer Kontrollschilder war man in Luzern 1932 bei den Motorfahrzeug-Schildern bei LU 2465S und bei den Motorrädern bei der Nummer LU 2329M angelangt.

1933, als das noch heute gültige Schild-Format (mit einem neuen Nummerierungs-System) erstmals abgegeben wurde, bekam Friedrich Brändli, Mechaniker, Baselstrasse 16, Luzern, das Motorradschild LU 1. Dabei waren die Schilder LU 1 bis LU 190 Händlerschilder. In den letzten Jahren hatte Markus Bossert, Willisau, die Nummer LU 1 als Händlerschild (mit dem Buchstaben U neben der Zahl).


 

                                                                                                                  Die heute gültigen Motorfahrzeug-Kontrollschilder

Anfangs 1933, nach der Nummern- und Schilder-Reorganisation,   EUR_CH_LU_Perm_XH.jpg    als die Verkehrs-Gesetzgebung nicht mehr von den Kantonen sondern einheitlich vom Bund geregelt wurde, war unter LU 1 Albert Klöti, Centralgarage, Neuenkirch, aufgeführt. Die ersten Nummern teilte man damals den Garagen und Auto-Reparatur-Werkstätten zu. Später fuhr lange Zeit Dr. Schmitter, Generalagent der Waadt-Unfall, Luzern, mit dieser Nummer umher.

Heute gehört LU 1 dem Verkehrshaus der Schweiz in Luzern. Gleichzeitig erhielt das Verkehrshaus der Schweiz aber auch das Kontroll-Schild LU 1U zugewiesen.. Die Zahl 1 bei den Motorfahrzeugen wurde ganz legal zweimal demselben Halter zugeteilt, einmal auf einem ganz normalen Motorfahrzeug-Schild und zudem noch auf einem Händlerschild.

Auf der untenstehenden Tafel sind einige momentan gültigen Motorfahrzeug-Schilder des Kantons Luzern abgebildet. Die beiden P- und A-Schilder gehörten zu Fahrzeugen des Bundes, sind ab 1.1.2005 nicht mehr gültig. Ebenso ausser Verkehr (per 1.1.2000) sind die LU-Schilder mit dem Buchstaben V (=Vermietung).

Um 2010 wurde der Hersteller der Luzerner Motorfahrzeug-Kontrollschilder gewechselt. Seither ist das Blau auf dem Luzerner Wappen etwas heller und die Zahlen wirken visuell leicht schmäler, da die schwarze Farbe nicht mehr ganz bis zum geprägten Zahlen-Rand hinaus aufgetragen ist. Das Schild ist aber natürlich weiterhin vorschrifts-konform.


 

                                                                                                                Erwerb der Luzerner Fahrzeug-Schilder

Normalerweise werden im Kanton Luzern, wie in den übrigen Kantonen, die Kontrollschilder aus der laufenden Serie einem Neuhalter zugeteilt. Die ausgegebenen (unbefristeten) Kontrollschilder bleiben dabei im Eigentum des Staates, dürfen bei Nichtgebrauch weder weitergegeben (mit wenigen Ausnahmen innerhalb der Familie) noch verkauft werden sondern gehen an das Strassenverkehrsamt zurück. - Vor einigen Jahren wurde es dann möglich, freie gewordene Fahrzeugschilder-Nummern zu ersteigern (z.B. sehr kleine Nummern und solchen mit einer speziellen Nummern-Folge wie LU 888888). Im Oktober 2004, anlässlich der alljährlichen und öffentlichen Versteigerung von frei gewordenen Fahrzeug-Schildern, wurde das Motorradkontroll-Schild LU 1 für 70 000 Franken von einem Transport-Unternehmer ersteigert aber dann doch nicht gekauft. Und weil in den letzten Jahren mehrmals ersteigerte Schilder in Luzern anschliessend nicht übernommen wurden, werden die Versteigerungen nicht mehr durchgeführt. Heute sind die freien Fahrzeug-Nummern im Internet publiziert und können von einem Interessenten sofort am Schalter des Strassenverkehrsamtes gekauft werden. Je nach Seltenheit der Nummer kann der Kaufpreis zwischen 100 und ca. 10000 Franken betragen.

In Luzern konnten Privat-Personen immer ab der Nummer LU 1 Schilder einlösen. Ganz im Gegensatz zu anderen Kantonen (z.B. BE, GE, ZH), die teilweise bis zur Zahl 1000 die Schilder den Taxis oder Behörden abgaben bzw. reservierten. Nun wurde in Luzern mittels Postulat Bucher vom 22.6.2004 vom Regierungsrat sogar verlangt, dass Fahrzeuge des Kantons in Zukunft  nur noch Kontrollschild-Nummern über LU 40000 erhalten sollen. Der Regierungsrat des Kantons Luzern beschloss am 12.4.2005 aufgrund des Postulates, dass alle Dienststellen und Anstalten des Kantons Luzern ihre Motorfahrzeug-Nummern, sofern diese unter der Nummer LU 40000 waren, sofort einzutauschen haben.



                                                                                                                                      

                                                                                                               CAROLINA BRUN

                                                                                       Luzerns erste Automobilistin  

 

    

Fräulein CAROLINA BRUN war erste Automobilistin im Kanton Luzern und wohl praktisch überhaupt eine der ersten Frauen der Schweiz mit eigenem immatrikuliertem Auto und einer Fahrbewilligung.

Ab 1901 wurden gemäss Regierungsrats-Beschluss des Kantons Luzern ( Paragraph 7 der VO) erstmals für alle Autos ein polizeiliche Bewilligung und ein Kontroll-Schild (Vor-Konkordats-Schilder) vorgeschrieben. Der Kanton Luzern hatten 1902 8, 1903 17, 1904 30 und 1905 40 Autofahrer verzeichnet, die Fahrzeuggebühren einbezahlt. Carolina Brun dürfte um diese Zeit ihre erste Auto-Kontrollschild-Nummer eingelöst haben., Ab 1905 wurden dann vom Kanton Luzern die  Konkordats-Auto-Kontrollschilder (aus der zugewiesenen Serie LU 2201 - LU 2600) abgegeben  Im ersten handgeschriebenen Auto-Index von 1917 wurde Fräulein Carolina Brun unter der Nummer LU 2217 aufgeführt. Also bekam sie wohl ganz am Anfang der schweizweiten Einführung der Konkordats-Kontrollschilder (im Jahre 1905) ihre Auto-Kontrollschild-Nummer!  Gemäss Führerausweis-Verzeichnis der Autokontrolle Luzern von 1922 besass überdies Fräulein Carolina Brun den Führerausweis mit der Nummer 27.

Somit ist einwandfrei nachgewiesen, dass Carolina Brun 1905 oder gar schon früher einen Führerausweis besass und ein Auto mit eigenen Kontrollschildern fuhr.

Im ersten gedruckten Luzerner Auto-Index 1925 war Carolina Brun eigentümlicherweise nicht mehr aufgeführt, die Nummer LU 2217 weiter vergeben. 1927 hatte sie gemäss Luzerner Auto-Index  LU 2211, ebenfalls 1928. Und ab 1932 (Fräulein Brun war damals 71 jährig) war sie nicht mehr im Luzerner Auto-Index erwähnt, sie hatte wohl das Autofahren endgültig eingestellt. Ihr Schild LU 2211 wurde im Auto-Index als ungültig aufgeführt.

Ob Fräulein Brun schon vor 1902 mit einem Auto umher fuhr, ist nicht bekannt. Immerhin waren aber den Behörden des Kantons Luzern 1901 noch keine Autos gemeldet. Altersmässig wäre das bei Carolina Brun durchaus möglich gewesen, dass sie bereits vorher ein eigenes Auto besass, als noch keine Auto-Kontrollschilder und Abgaben vorgeschrieben waren, denn 1901 war sie ja bereits 40jährig.  - Doch was war nun diese Carolina Brun für eine Person ??

 

Gemäss Auskunft Stadtarchiv Luzern, Frau D. Walker (Akten B3.22/B1:28): wurde Fräulein Carolina Brun (5.9.1861 – 1.2.1940)  in der Gemeinde Escholzmatt im Amt Entlebuchgeboren. Das war auch ihr Bürgerort. Die Eltern waren Johann und Maria Brun-Vogel. Am 25.3.1884 zog Carolina Brun nach Luzern, nahm im Bruch 545 cc Wohnsitz. Sie bürgerte sich 1924 (gem. Bürgerregister 1924-70) in der Stadt Luzern ein, wo sie auch am 1.2.1940 starb.

 

Angaben im Taufbuch der kath. Kirche Escholzmatt (1861/64):  Ludwig Brun, Feldmoos, Escholzmatt, war Fuhrmann, ebenso sein Sohn Johann Brun. Letzterer hatte auch einen Pferdestall. Auf der Fahrt von Luzern nach Bern oder umgekehrt wurden wohl bei ihm jeweils die Pferde gewechselt. Johann Brun heiratete am 18.2.1845 Fräulein Marie Vogel und am 5.9.1861, mittags 12.00 Uhr, kam ihr Kind, Carolina Brun, im Feldmoos beim dortigen Restaurant Feldmoos zur Welt. Sie war das siebte von insgesamt 8 Kindern der Familie Brun-Vogel. Am 7.9.1861 wurde Carolina in der Pfarrkirche Escholzmatt getauft. Sie wohnte bis zum Jahre 1884 am Geburtsort in Escholzmatt, dann zog sie nach Luzern ins Bruchquartier.

 

1894 hatte Fräulein Brun gemäss Luzerner Adressbuch einen Weisswaren-Laden am Hirschengraben 50, Luzern. Sie führte diesen Laden mit Frau Anna Marie Brun-Talleri, die ihrerseits an der Gibraltarstr. 6 eine Spezereihandlung besass. 1911 führte Carolina  Brun (gemäss Luzerner Adressbuch) ein Chemiserie- und Lingerie-Geschäft an der Kasimir-Pfyfferstr. 2 in Luzern. 1921 zog sie mit dem Geschäft an die Kasimir-Pfyfferstr.1 in Luzern um. Zusammen mit ihrer Freundin Sofie Boog hatte sie dieses stattliche Gebäude (Hallwylerhof) erstellen lassen und die beiden Frauen bewohnten es nun auch.

Fräulein Karolina Brun nahm als Mitglied des ACS immer wieder mit ihrem Auto an den organisierten Ausflügen mit Kindern aus Heimen (aus der näheren Umgebung von Luzern)  teil. Das fand natürlich seinen Niederschlag in den Luzerner Zeitungen und dies wiederum war gratis Reklame für Fräulein Carolina Brun und ihr Geschäft, da sie immer in den Berichten namentlich erwähnt wurde. 1926 verkaufte Carolina Brun ihr Geschäft an den nahen Verwandten Robert Brun, der ebenfalls im Hause Kasimir-Pfyfferstr.1 wohnhaft war.  Dieser führte das Geschäft unter dem Namen Robert Brun, vorm. Carolina Brun, weiter. Er erweiterte es in ein Mass-Atelier sowie  ein Weisswaren- und Vorhänge-Geschäft (gemäss Luzerner Adressbuch 1929).

Als Carolina Brun am 1.2.1940 verstarb, ging das Haus Kasimir-Pfyfferstr.1 ganz an  Fräulein Sofie Boog über, welche die herrschaftliche Liegenschaft mitten in der Stadt einige Jahre später an eine Drittperson verkaufte.

Carolina Brun war eine hübsche, stattliche und markante Person. Das unbekannte junge Fräulein aus dem Entlebuch wurde in Luzern eine bekannte Persönlichkeit und Geschäftsfrau und war in der Zentralschweiz als erste Automobilistin Pionierin ! Als Carolina Brun in Luzern mit ihrem Auto umherfuhr, gab es noch verschiedene Kantone ohne einheimische Autobesitzer und zu dieser Zeit (Sommer 1904) löste der Arzt und Politiker Dr. W. Kesselbach, Altdorf, als erster ein Motorfahrzeug im Kanton Uri ein.

Heute noch leben Nachkommen des Stammes Brun-Vogel in Feldmoos, Escholzmatt. Und einer dieser Nachkommen, der von Escholzmatt wegzog, engagierte sich vor Jahren sogar kürzere Zeit im Autorennsport..



 

Dr. Anna Maria Neumann und ihr gelbes Auto

 

 

Es ist irgendwie bezeichnend. Die eigentliche Auto-Pionierin Carolina Brun kennt man praktisch nirgends. Hingegen erinnern sich noch viele ältere Luzernerinnen  und Luzerner an die seinerzeit bekannte Ärztin, Fräulein Dr. Anna M. Neumann, Luzern, die ab 1926 mit ihrem auffallend gelben Auto Citroen-C2, Baujahr 1923, 4,36 PS, Kontrollschild LU 2472B, auf den Strassen Luzerns umherfuhr. Ihr Auto steht heute im Verkehrshaus der Schweiz in Luzern und sogar eine Strasse wurde in Luzern nach ihr benannt. Fräulein Dr. Neumann (3.10.1868 - 7.4.1946) wird oftmals fälschlicherweise als erste Automobilistin von Luzern bezeichnet, obwohl sie sich erst ab 1926, also viele Jahre nach Carolina Brun (diese fuhr ab 1905 mit dem Auto-Kontrollschild LU 2217) und noch einigen weiteren Frauen, z.B. Frau Henriette Ith, Hitzlisbergstr. 12, Luzern (sie hatte ab ca. 1910 die Autonummer LU 2262), ans Steuer ihres Auto setzte.

 

Anna M. Neumann wurde am 3.10.1868 in Luzern als Tochter des Kantonschul-Professors Konrad Neumann und der Martha Elisa Bullen, einer Engländerin, geboren. Ab 1871 führten ihre Eltern die Privat-Pension Lützelmatt in Luzern, welche die sprachliche Ausbildung junger Menschen zum Ziel hatte. Die Familie galt als weltoffen.

Anna M. Neumann hatte zwei ältere Brüder und eine jüngere Schwester. Eduard, der eine der Brüder, wurde ebenfalls Arzt und leitete später in Davos über viele Jahre ein Lungen-Sanatorium. Dort verstarb er auch und erhielt ein Ehrengrab.

Anna M. Neumann besuchte die städtischen Schulen in Luzern, dann studierte sie 10 Semester in Chekltenham am Ladies-College englische Sprache. Anschliessend lernte sie 2 Jahre am Institut Robert in Vincenne, Paris, französisch und erwarb dort das Lehrerpatent. Sie übte diesen Beruf aber nie aus, war als Übersetzerin und Journalistin tätig. Mit dem verdienten Geld ging sie an die Fremdmaturität in Zürich, anschliessend studierte sie an der Universität in Genf Medizin und schloss nach weiteren Studien  in Bern und Basel mit dem Staatsexamen ab. - Im Alter von 38 Jahren eröffnete sie 1906 in Luzern an der Wesemlin-Strasse eine Arztpraxis Später wechselte sie an die Alpenstrasse 7 und schon 1913 an die Töpferstrasse 8 (beim Luzernerhof). Schlussendlich zog sie 1930 an die Taubenhausstrasse 34, wo sie bis zu ihrem Tod im Jahre 1946 ihre Praxis betrieb..

Am 8.10.1910 wurde Dr. Anna Maria Neumann mit der Nervenärztin Minna Bachmann in die Ärzte-Gesellschaft des Kantons Luzern aufgenommen. Sie waren somit, nebst Frl. Dr. Josefine Tobler, Luzern, die 1905 das Staatsexamen machte und am 23.10.1909 in die Ärzte-Gesellschaft des Kantons Luzern aufgenommen wurde,  die ersten Frauen die im Kanton Luzern ärztlich tätig waren.

Dr. Anna M. Neumann nahm sich vorwiegend der armen Land-Bevölkerung von Luzern an. Sie suchte meistens ihre Patienten bei ihnen zu Hauset auf, Behandlungen in ihrer Praxis in Luzern machte sie nur ganz selten. Privat-Patienten lehnte sie ganz ab. Von 1913 - 1923 betreute sie die Säuglingsvorsorge-Stelle Luzern und während 20 Jahren die Kinderstube Hubelmatt in Luzern.

Ab 1931 war Dr. Anna M. Neumann oft im Kanton Uri und betreute zusammen mit ihrer Freundin, Fräulein Dr. Giulia Palagi, die in Wassen eine Arzt-Praxis hatte, die italienischen Gastarbeiter, die dort an der Gotthardstrasse und in den Steinbrüchen tätig waren. Später betreute sie auch die nachziehenden Familienangehörigen dieser Gastarbeiter. Dazu erlernte sie die italienische Sprache in dem sie mit Frau Dr. Palagi nur italienisch sprach. Frau Dr. Neumann  war eine unkomplizierte Person, verstand sich gut mit ihren Patienten. Einmal half sie sogar, ein Haus eines ehemaligen Patienten zu streichen,  Frau Dr. Neumann war so dauernd im Stress, unterwegs und wegen ihres Einsatzes praktisch immer übermüdet. Und oftmals musste sie plötzlich, auch nachts, zu einer Geburt oder einem Unfall ausrücken, sogar in den Kanton Uri fahren. Auf einer solchen Fahrt, als die Ärztin sich beeilen musste, fuhr sie wohl etwas zu schnell. Als ein Polizist sie deswegen anhielt, stieg sie aus dem Auto und gab dem erschrockenen Mann eine Ohrfeige und sagte dazu "für solche Diskussionen habe ich jetzt keine Zeit, es gibt fürwahr Wichtigeres".

Oftmals behandelte Frau Dr. Neumann die Patienten ohne Entgelt oder nur zu einem absoluten Minimal-Betrag. Man musste berücksichtigen, dass die Leute damals arm waren und kaum eine Krankenkassen-Deckung besassen. Sie verrechnete daher nicht selten nur den Preis für die Medikamente. Die Ärztin wurde daher nie reich.

Ihr kleiner gelber Citroen war weit über den Kanton Luzern hinaus bekannt. Jedermann wusste, wem das Fahrzeug gehörte. Und so war man auch immer im Bild, wo sich Frau Dr. Neumann gerade befand. Mit der Zeit gab es sogar im Volksmund Sprüche über "das gelbe Wägeli".

Dr. Anna M. Neumann blieb ledig. Ihr Beruf beschäftigte sie voll und ganz, denn sie war Ärztin mit Leib und Seele. Für eine Ehe, sagte sie, hätte sie keine Zeit. Die Erscheinung von ihr war schlicht, auch ihr Wesen. Nur die Kleidung war etwas aussergewöhnlich, sie trug meistens Krawatte und Jackett und einen überlangen Jupe, um darunter Männer-Unterkleider zu verbergen, die sie für ihren Einsatz als zweckmässig ansah. - Bekannt war auch die konstante Unordnung bei ihr zu Hause. Trotzdem gelang es ihr jeweils, rasch das Gesuchte zu finden !

Im März 1946 erlitt Dr. Anna M. Neumann, die kaum auf ihre Gesundheit achtete, mit 78 Jahren eine Lungenentzündung und merkte sofort, dass weder Hilfe noch eine Heilung mehr möglich waren. Sie organisierte von Wassen/UR aus, wo sie sich damals bei Dr. Giulia Palagi aufhielt, noch ihre Beerdigung und wünschte in Luzern bestattet zu werden. Als sie am 7. April 1946 verstarb, liess sie nur einige unbezahlte Rechnungen von wenigen Franken, aber keine materiellen Werte zurück.

 

 

Fräulein Dr. Anna M. Neumann hatte, wie oben erwähnt, eine Freundin, Fräulein Dr. Giulia Palagi, geb. 14.02.1881. Diese aussergewöhnliche Frau kam aus Florenz und war adeligen Ursprungs (Gräfin). Giulia Palagi besuchte zuerst in Zürich das Institut Minerva, schloss die Matura mit Latein im Herbst 1914 ab. Dann ging sie an die Universität Zürich, studierte Medizin/Naturwissenschaft und erhielt den Doktortitel 1920/21 mit der Dissertation "Neuroepithelioma gliomatosum mit Beifügung eines selbst beobachteten Falles". Nach der Weiterbildungszeit baute sie sich dann 1928 in Wassen/UR ein Haus (das heute noch steht) und war dort als Dorf-Ärztin von 1930-1950 tätig. Fräulein  Dr. Palagi war eigentlich studierte Kinderärztin, wirkte aber überwiegend als Allgemeinpraktikerin und blieb lange Zeit eine der wenigen Ärztinnen im Kanton Uri. Sie fuhr einen schwarzen Personenwagen Marke Fiat-Balilla. Mit dieser Ärztin pflegte Fräulein Dr. Anna M. Neumann zeitlebens einen engeren Kontakt und man stand sich gegenseitig bei.

Die hie und da etwas forsche Ärztin aus Wassen blieb wie Fräulein Dr. Anna M. Neumann ledig und beschäftigte zwei Hausangestellte. Der einen davon vermachte sie bei ihrem Tod ihr Haus.

 



                                                                                                                                   

                                                                                                                                       MEGGEN

                                                                                                sein erster Automobilist und Millionär 

 

oder

Heckenried, dort wo Geld- und preussischer Land-Adel wohnten

 

 

Das Konkordat der Schweizer Kantone führte 1905 das Obligatorium für Motorfahrzeug-Kontrollschilder ein und wies jedem Kanton aus den Nummern 1 - 9999 eine Serie zu.  Dem Kanton Luzern wurden die Schilder-Nummern  LU 2201 - LU 2600 zugeteilt. Dabei waren anfänglich, also vor rund 100 Jahren, bis auf wenige Ausnahmen, alle Fahrzeughalter in der Stadt Luzern wohnhaft. Der erster ausserhalb der Stadt Luzern wohnhafte Fahrzeugbesitzer war Dr. Oskar Kottmann, Kriens, der ein Auto mit der Nummer LU 2221 fuhr. Der zweite  mit der Nummer LU  2247 hiess Jules Ephrussi, Meggen. Wer war nun dieser Jules Ephrussi, der als erster Megger (um 1906/1907) ein Auto mit Luzerner Schilder fuhr.

 

Die Ephrussi waren ursprünglich griechische Juden, die nach dem damaligen russischen Odessa am Schwarzen Meer auswanderten. Charles Joachim Ephrussi (1792-1864) war Kaufmann  in Odessa und betrieb Getreidehandel, womit er es zu Vermögen brachte. Er  verheiratete sich mit Bella Lövensohn. Sie hatten zwei Söhne, Leonid und Ignaz. Der ältere der beiden Söhne, Leonid Ephrussi (um 1820 in Odessa geboren) lernte in jungen Jahren die Witwe Minna Landau, geborene Brody kennen. Sie heirateten und  ihnen wurden vier Kinder geschenkt, nämlich Jules (2.8.1846-1915), Ignaz (1848-1908), Charles (1849-1905) und Betty (1852-1873). Mitte des 19. Jahrhunderts zog Leonid Ephrussi mit Gattin und den vier Kindern nach Paris, wo er 1877 starb. -- Sein Bruder Ignaz Ephrussi (1829 - 1899) übersiedelte nach Wien, wo er 1856 die Bank Ephrussi & Co. gründete.

Jules Ephrussi blieb in Paris, heiratete am 2. Juli 1976 in der Wiener Vorstadt Heitzing die am 7.2.1852 geborene Witwe Franziska Dorothea (genannt Fanny) Menton, geborene von Pfeiffer. Ihr Vater war Bankier und königlich württembergischer Hofrat. Das Ehepaar Jules und Fanny Ephrussi blieb kinderlos. Jules gründete als junger Mann mit seinen beiden Onkeln Michel und Maurice Ephrussi sowie mit dem Teilhaber Théodore Porgès die französische Filiale der Bank Ephrussi & Co. (Hauptsitz der Bank war seit 1856 in Wien, eine zweite Filiale befand sich in London). Man wurde rasch vermögend, erstellte grosse palastartige Komplexe in Paris und Wien. Und durch die Heirat des Onkels von Jules Ephrussi, des Bankiers Michel Ephrussi am 5.6.1883 mit Béatrice de Rothschild, Tochter des Baron Alphonse de Rothschild, floss noch mehr Geld zu den Ephrussis. 

Jules Ephrussi erbaute 1886 durch den bekannten Pariser Architekten Ernest Sanson (1836/1918) im Styl Louis XVI das Hotel Ephrussi am Place des Etats-Unis No. 2 in Paris. Und seine  Familienangehörigen erstellten als wohlhabende Bankiers ebenfalls prunkvolle Gebäude, so in Wien und an der französischen Riviera. .

 

                                         

                    

 

Palais Ephrussi an der Ringstrasse, Wien  (1872/73 erbaut)                                                                                                                       Palais Ephrussi-Rothschild bei Cap Ferrat, Nizza (1905/12 erbaut)

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In Meggen besass Heinrich Scherer-Weber, Oberbergiswil, nahe des Ufers des Vierwaldstättersees, mit bester Aussicht auf See und Berge,  die Liegenschaft Loch (Untermettenwil). Damit er dieses Land verkaufen konnte, musste er Wasser dem Grundstück zuführen, denn damals gab es noch keine öffentliche Wasserversorgung. Dazu entnahm Scherer 1880  beim Gebiet der heutigen Scheideggstrasse Quellwasser, führte dieses in ein Reservoir (beim Schulhausstutz) und entlang der Kreuzbuchstrasse zum Gasthaus Kreuz und von da auf das Areal Loch. Und als das Wasser aus der über einen Kilometer langen Leitung floss, verkaufte Scherer 1882 die Liegenschaft Loch an den Bankier Jules Ephrussi, Place des Etats-Unis 2, Paris.

Bankier und Millionär Jules Ephruss erstellte auf der Liegenschaft Loch in Meggen dann 1884 einen herrschaftlichen Sitz inklusive Boots- und Gärtner-Haus. Er  nannte das Gebäude Villa Ephrussi. So kam Meggen vermutlich zu seinem ersten Millionär.

 

Rund 500m von der Villa Ephrussi entfernt in nördlicher Richtung erstellte der Bankier im Jahre 1903 noch das 3-stöckiges Haus "Grünegg" (Kreuzbuchstr. 6, Meggen) aus Sichtsteinmauer, in das er seinen Chauffeur einlogierte und eine Garage baute.

Das von Jules Ephrussi erbaute Personal-Haus "Grünegg" existierte noch bis Herbst 2009. Es gehört schon viele Jahre dem in Amerika wohnenden Rudolf Scherer. Weil es unter Denkmalschutz gestellt werden sollte, durfte das Haus vorerst baulich nicht verändert werden. Rund sieben Jahre kämpfte der Besitzer um einen Abriss der Liegenschaft, nun wurde amtlich entschieden, das Gebäude doch nicht unter Denkmalschutz zu stellen und es umbauen oder abreissen zu lassen. Weil ein Umbau aber zu teuer käme, entschied sich Schrerer für Geld anstatt Kultur. Am Montag, 21 September 2009 fuhren Baumaschinen auf und rissen des ehrwürdige und einzigartige Gebäude nieder. Es weicht nun einer neuen Überbauung. - Das schon lange leer stehende Gebäude wurde in den letzten Jahren überdies zweimal von Jugendlichen besetzt.

 

Den heute noch vorliegenden Briefen von Fanny und Jules Ephrussi an Freunde und Bekannte kann entnommen werden, dass Ephrussis sich öfters in Meggen aufhielten und von da aus grössere und kleinere Fahrten unternahmen. Man besuchte auch immer wieder das noble Hotel Schweizerhof in Luzern. Nicht nur um zu Dinieren, nein auch, wie einst Jules Ephrussi an einen Freund schrieb, um sich aufzuwärmen, da es in der Villa Ephrussi zu kalt war.

 

Am 23. Mai 1915 verstarb Jules Ephrussi in Paris. Seine Villa in Meggen wurde daher auf seine Witwe Fanny Ephrussi übertragen. Das Haus gelangte nach dem Tod von Frau Fanny Ephrussi (15.10.1915) 1917 an ihre Nichte Fanny-Thérèse Reinach-Kann (Paris) und diese wiederum übertrug die Liegenschaft 1920 an ihre vier Söhne Julien, Léon-Edouard, Paul-Maximilien und Olivier-Hermann Reinach (wohnhaft in Paris).

 

1921 kam die Villa Ephrussi an Otto Edouard Georg Eichmann aus Danzig, wohnhaft in Luzern (27.12.1892-04.08.1940). Er war der Schwiegersohn von Graf Hubert und Gräfin Jelka von Tiele-Winckler. Eichmann baute das Gebäude 1921-1923 vollständig um- und aus und fügte dem östlichen Kernbau einen neuen, um 30 Grad abgedrehten westlichen Gebäude-Flügel bei. Er nannte die Liegenschaft nun Villa Heckenried. 1926 wurde die Liegenschaft an seine Gattin Wendula-Klara-Valesca-Mira-Adelheide Eichmann (geborene Freiin von Tiele-Winckler) überschrieben. Diese verkaufte das Gebäude 1931 für 1,213 Millionen an ihre Mutter, Gräfin Jelka von Tiele-Winckler (aus Beseritz, Preussen). Nach dem Tod von Gräfin Jelka (1857-1942) kam die Liegenschaft 1942 an ihre Erben, d.h. ihre drei Töchter Prinzessin Huberta Reuss von Plauen (1889-1874), Freiin Wendula Eichmann-von Tiele-Winckler (1899-?), Gräfin Valaska von Kanitz (1893-1949) und an die Erben der verstorbenen Tochter Gräfin Jelka von Kanitz (1887-1922), nämlich Graf Franz Hubert von Kanitz, Graf Utz von Kanitz und Baronin Adine von Langen-von Kanitz. 1953 wurde die Liegenschaft Heckenried durch erb-interne Aufteilung an die verheirateten Töchter des Grafen Gerhard von Kanitz (1893-1943)  und der Gräfin Valesca von Kanitz-von Tiele-Winckler zu je einem Drittel an Wendula Burchard, Christina von Tettau und Gräfin Anna von Scharfenberg-von Kanitz übertragen.

 

1953 wurde die Villa Heckenried von den drei Eigentümerinnen in zwei Parzellen aufgeteilt und verkauft. Das Landgut, das von 1921-1953 im Besitze der deutschen Grafenfamilie von Tiele-Winckler (Oberschlesische Kohle- und Stahl-Aristokratie) war, ging in bürgerliches Eigentum über.

 

 

 

Den westliche Teil des Gebäude-Komplexes, genannt Villa Heckenried (Heckenriedstr. 12), erwarb das Konsortium Anderes, Meggen. Der Hauptteilhaber, Kaspar Dieter Anderes, übermachte das Gebäude seiner Gattin und diese zog in die unterste Etage des Gebäude ein.  Der restliche Teil des Gebäudes wurde vermietet. Am 08.09.1959 wurde noch die Firma Heckenried AG gründete.

Nach dem Tod von Frau Anderes übernahm ein aus Zürich stammender Herr Huber das Gebäude. Er liess es umfassend renovieren und umbauen. Dabei bekam er finanzielle Schwierigkeiten. Deshalb verkaufte er die Liegenschaft, nachdem er sie im Juli 1988 in Stockwerkeigentum aufteilte.

 

 

Der östliche Teil der ehemaligen Villa Heckenried, genannt Villa Rosario (Heckenriedstr. 14), ging  in den Besitz der aus Südamerika stammenden Schauspielerin Carlota De Buhl (1889-1965) über, eine etwas aussergewöhnliche Person. Nach ihrem Tod fiel die Villa Rosario an die Erben. Diese verkauften 1967 das Gebäude der Unternehmergruppe Werner Burri-Schmid, Meggen und Tony Frey Treuhand AG, Luzern. Man führte innere Umbauten durch und erstellten gegen Osten einen dreigeschossigen Vorbau. Im Dezember 1968  wurde die Villa Rosario in Stockwerkeigentum aufgeteilt..

 

 

Seit 1968 bzw. 1988 ist also die gesamte Liegenschaft in herrschaftliche Eigentumswohnungen aufgeteilt und von bürgerlichen Kreisen bewohnt. Zwei Eigentümer sind über die Luzerner Kantonsgrenzen hinaus bekannt.

 

 

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1904 traten fast sämtliche Kantone dem Automobil-Konkordat bei, welches ein Kontrollschild-Obligatorium für Motorfahrzeuge vorschrieb. Ab 1905 wies man dem Kanton Luzern die Kontrollschild-Nummern LU 2201-LU 2600 zu. - Der erste (handgeschriebene) Auto-Index des Kantons Luzern nannte 1917 unter der Kontrollschild-Nummer LU 2247 Jules Ephrussi, Meggen. Somit dürfte Ephrussi als 47. Automobilist im Kanton um 1906/07 seine Nummer eingelöst haben. Ob Jules Ephrussi früher schon ein Auto besass und das mit einer französischen Kontrollschild-Nummer fuhr, oder ob er für den Aufenthalt in Meggen einen zweites Auto kaufte, ist unbekannt.                                  

Es gibt im handgeschriebenen Auto-Index von 1917 noch weitere Megger Fahrzeughalter:



 

Die Motorfahrzeug-Herstellung im Kanton Luzern.

 

 

In Luzern betrieb Ingenieur August H. Grivel die Garage Schweizerhof an der Englischgruss-Stasse 12. Er war auch Importeur der französischen Aster-Motoren und zudem Taxihalter (Taxi Nr. VI und VII unter Telefon Nr. 1280 erreichbar). Er bot 1907 - 1909 seiner Kundschaft unter dem Name LUCERNA eine recht breite Palette von Chassis und karossierten Fahrzeugen mit kardangetriebenen Vier- oder Sechs-Zylinder-Motoren an, ebenso Lastwagen mit Zweizylinder-Motoren. Im Bild ein Lucerna aus dem Jahre 1907 mit einem Aster-Motor und einem Fahrgestell von Malicet & Blin.

 

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In Willisau gab es an der Bahnhofstrasse die mechanische Werkstätte AG, welche von Anton Imhof geführt wurde. Sie produzierte insbesondere Güllenpumpen und landwirtschaftliche.Geräte. Imhofs Partner war der Fahrradgrosshändler Adolf Bühler. Letzterer träumte von der Herstellung eigener Kleinmotorräder. Auf Grund eines Inserates in der Schweizer Illustrierten übernahm das Duo von der 1922 in Konkurs gegangenen Maschinenfabrik Hinwil (Inhaber Jakob Reimann), Lizenz und Werkzeug zur Herstellung von FAMO Motorfahrräder. Weil diese FAMO-Motoren nicht technisch ausgereift waren, benutzte man später einen englischen Villiers Zweitakt-Motor Damit stellte die mechanische Werkstätte AG von 1924 bis Ende 1927 Motorfahrräder unter der Marke HELVETIA her. Doch das Motorfahrrad-Geschäft wollte nicht so recht florieren. Daher engagierte man 1928 für die Motorrad-Produktion den Tessiner Dr. Antonio Vedova (von Peccia/Maggiatal) als Konstrukteur. Kurz darnach kam die Spar- und Leih-Kasse Willisau finanzielle Problem (infolge weltweitem Börsen-Crash). Dadurch geriet auch die mechanische Werkstätte AG als Kunde der Spar und Leih-Kasse Willisau in finanzielle Schwierigkeiten. Adolf Imhof trat aus der Firma aus und der Landmaschinenteil wurde an den damaligen Betriebsleiter Ernst Beutler verkauft (dieser gründete später die Maschinenfabrik F. Beutler AG, Willisau). 1928 übernahmen Adolf Bühler und Dr. Vedova die Motorrad-Firma allein, indem diese in die Firma einiges Kapital investierten. Am 23.10.1930 heiratete Dr. Vedova die Willisauerin Berta Bühler, die Schwester seines ehemaligen Chefs und damaligen Firmen-Mitinhabers Adolf Bühler. Und ab 1. Januar 1932 führte Dr. Vedova die Motorrad-Fabrik dann allein..

1928, noch als Angestellter, begann Dr. A. Vedova Motorräder unter der Marke UNIVERSAL in  der mechanischen Werkstätte AG, Willisau, zu fabrizieren, und zwar sowohl Tourenmodelle mit 250 - 500ccm wie auch Renn-Motorräder (z.B. Grand Sport 500ccm). Anfänglich benutzte man für die Motorräder PA-, JAP-, Python- und Anzani-Einbaumotoren. Alfredo Carmine gewann mit seinem Universal-Renn-Motorrad (mit JAP-Motor) 1929 insgesamt 12 Rennerfolge und fuhr 1930 24 Bestzeiten. Die Firma florierte.

 

1936 war man bei der Produktion an die Kapazitätsgrenze gestossen und trotz Bemühungen fand sich kein Land zur Betriebserweiterung in Willisau. Daher zog die Firma Universal im Jahre 1936 nach Oberrieden/ZH. Dort fand man direkt am Zürichsee eine Fabrikhalle, in der Flugpionier Alfred Compte (1895 - 1965) seine Flugzeuge gebaut hatte. Ab diesem Zeitpunkt fertigte man eigene Triebwerke für die Universal-Motorräder  Nach Modellen mit V-Motoren kamen ab 1946 sehr schnelle 580ccm-Maschinen mit 2-Zylinder-Boxermotoren und Kardanwellenantrieb. Ebenso ein 250ccm-Zweizylinder-Zweitakter mit H.O-Motor und schliesslich ca. Mitte der 50er Jahren eine 250er Einzylinder-Maschine eigener Konstruktion. 1962 wurde die Motorrad-Fabrikation aufgegeben. Die Firma existierte weiter, ihre Produkte waren nun aber Rasenmäher, Staubsauger und Schneefräsen. Am 24. Juni 1970 verstarb Antonio Vedova. 

 

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In Schüpfheim betrieb E. Enzmann die Adler-Garage (Fiat- und Citroen-Vertretung) sowie das Hotel Adler. Er hatte sechs Söhne. Einer davon, Dr. med. Emil Enzmann, entwarf im Jahre 1952 den ENZMANN 506 als sicherer, sparsamer und leichter 2-Sitzer-Sportwagen Man verwendete für den Bau des Autos ein leicht abgeändertes VW-Käfer-Chassis und eine Kunststoff-Karosserie (Polyesterharz mit Glasfasermatte), verzichtete wegen des Gewichtes (um 550 kg) auf Türen. Statt dessen wurden die Flanken mit Trittnischen versehen. In der Normalausführung hatte es einen üblichen VW-Motor von 1192 ccm Zylinderinhalt und dank zusätzlichem Judson-Kompressor und MAG-Niederdruckgebläse eine Leistung von 42 PS, d.h. 6 Steuer-PS. Maximalgeschwindigkeit 135 km/h. Das Auto war einen Meter hoch. 1956 war der Prototyp fertig. Zuerst wurde das Auto nur als Spider ohne Verdeck gebaut, später auch als Cabriolet mit verschiedenen Dachkonstruktionen.

Die Premiere hatte das Fahrzeug 1956 am Comptoir Suisse in Lausanne. Das Fahrzeug kostete je nach Version zwischen Fr. 9300 - Fr. 9900.- (die Rohkarosserie kostete allein knapp Fr. 4000.-). Der Enzmann 506 (die 506 bekam es 1957 vom Stand 506 an der IAA in Frankfurt, wo das Fahrzeug ausgestellt war) hatte damals schon, da es ja ein Arzt entwarf, als Sicherheit eine durchgezogene Plexiglas-Scheibe und somit ein Cockpit ohne Zugluft, anatomisch geformte Schalensitze, Sicherheitsgurten, einen Beifahrer-Aufprallschutz sowie einen hochgezogenen Nackenschutz mit integriertem Überroll-Bügel. Mehrere Käufer liessen Porsche-Motoren in das rassige Fahrzeug einbauen um es noch schneller und renntüchtig zu machen. Es wurden insgesamt um 100 Autos gebaut.

Leider sah dann der VW-Chef Nordhoff im Enzmann-Sportwagen einen Konkurrent zu seinem VW-Karmann, weshalb er keine Karosserie-Kits mehr lieferte, man musste daher 1968 die Produktion des Enzmann 506 einstellen.                            

 

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In Menznau/LU plante Roland Duss, dipl.Ing. HTL, Ober-Kastelen, ab 2004 ein Supermotorrad (V2), Zylinderinhalt 993 ccm,  mit lediglich 145kg Trockengewicht und einem 120PS starken Motor (103 Nm). Der Motor hat einen Winkel von 90 Grad. und wird als tragendes Element verwendet. Der selbst entwickelte Rahmen dient zugleich als Benzin-Tank (14 Liter Inhalt) sowie auch als Luftfilterkasten. Als Sekundärantrieb wird ein Zahnriemen verwendet. Da nur das allerbeste Material verwendet wird, kommt das Motorrad auf den stolzen Preis von Fr. 42 990.-.

2007 konnte das Fahrzeug erstmals an der Swiss Moto in Zürich der Fachwelt präsentiert werden.  .

 

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Seit 2004 erstellt Urs Eiselin (Luzern) in Dubai (UAE) ein Sandmobil mit Raupenantrieb namens Sand-X-800 her. Und zwar durch den Umbau eines Snow-Mobils der Marke Bombardier. Das Fahrzeug besitzt eine hervorragende Beschleunigung (von 0 auf 100 km in 2,8 Sekunden) und ein hohes Maximaltempo von 180 km/h.

 

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In Emmenbrücke (Gde. Emmen) baut die City-Mobil Vehicle AG, Lorensäge, seit 2008 das 3-rädrige Kleinauto City-Mobil Vehicle als 1-Plätzer. Der 4-Taktmotor mit automatischem Getriebe hat 600ccm Zylinderinhalt und das Fahrzeug wiegt 250kg. Die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 160km/h.

 

 



 

 

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